«Innocence of Muslims» – Eine Provokation christlicher Extremisten?

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«Innocence of Muslims»Eine Provokation christlicher Extremisten?

Der Anti-Islam-Film, der zu tödlichen Anschlägen auf US-Botschaften führte, wirft immer mehr Fragen auf. Der angebliche Regisseur ist nirgends bekannt.

Der Macher des Films «Innocence of Muslim», der in Bengasi für tödliche Ausschreitungen sorgte und indirekt für den Tod des US-Botschafters Chris Stevens verantwortlich ist, hatte sich den Medien schnell gestellt – in Telefoninterviews, in denen er widersprüchliche Angaben etwa zu seinem Alter machte. Sam Bacile ist nach eigenen Angaben ein in Kalifornien lebender Israeli. Das Geld für den Film will er von «100 jüdischen Spendern» erhalten haben, wie Bacile der Nachrichtenagentur AP sagte.

AP fand allerdings schnell heraus, dass das alles Quatsch ist. Bacile ist kein israelisch-amerikanischer Doppelbürger, sondern ein vorbestrafter koptischer Christ aus Ägypten.

Wegen Kontobetrugs im Knast
Er lebt in der Nähe von Los Angeles und heißt wohl Nakoula Basseley Nakoula. Als AP mit Nakoula sprach, gab dieser zu, als Manager für das Filmprojekt gearbeitet zu haben. Er sei aber nicht Bacile. Doch die zuvor den Medien angegebenen Telefonnummern waren identisch. Zudem nannte sich Nakoula, der bereits öfter mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war, laut Gerichtsunterlagen auch Mark Basseley Youssef, Yousseff M. Basseley oder Nicola Bacily. Das alles klingt auffällig ähnlich wie Sam Bacile.

Nakoula sass im Juni 2010 wegen Kontenbetrugs im Knast. Das Bundesgericht hatte ihn zudem zu einer Wiedergutmachung von 794 700,57 Dollar und einer Strafe von 100 000 Dollar verurteilt. Im Gegensatz zu Sam Bacile hinterliess Nakoula damit sehr konkrete Spuren.

Nach Angaben eines Informanten soll der Dreh zum Film rund 5 Millionen Dollar gekostet haben. Finanziert wurde er mittels Unterstützung von mehr als 100 jüdischen Spendern. Laut Recherchen des «Guardian» gibt es in Hollywood, wo der Film entstanden sein soll, keinerlei Spuren zu einer Produktionsfirma: «Der Autor und Regisseur hat offenbar keinerlei Agenten und ist auf keiner einschlägigen Website gelistet», schreibt die Zeitung.

Youtube sperrt Videos, teils vergeblich

Alles, was wirklich von dem Film derzeit bekannt ist, sind Ausschnitte auf YouTube in englischer und arabischer Fassung. Bekannt wurde der Film in der islamischen Welt vor allem durch den in Ägypten geborenen Christen Morris Sadek. Er hat diesen auf seiner Website verlinkt, woraufhin ägyptische Medien auf den Clip aufmerksam wurden.

Während die Ausschnitte in den USA am Mittwoch noch online angeschaut werden konnten, wurden sie in Ägypten aus dem Netz entfernt. Wer in Kairo das Video auf YouTube anschauen wollte, bekam stattdessen zu lesen: «Dieser Inhalt ist in Ihrem Land wegen einer Rechtsbeschwerde nicht abrufbar.» Auch der ursprüngliche Trailer auf YouTube ist nicht mehr zu finden. Doch gibt es mittlerweile mehrere Kopien davon.

«Die anderen haben Blut an den Händen»

Im Zusammenhang mit dem provozierenden Billigstreifen taucht ausserdem auch der Name Steve Klein auf. Dieser versteckt sich im Gegensatz zu Macher Nakoula Basseley Nakoula alias Bacile nicht. Klein will als Berater am Film mitgewirkt haben und beschreibt sich selbst als «aktiven Christen» und als Kritiker des radikalen Islams.

Die Gewalt, die der Film in Nordafrika auslöste, findet Klein gut. «Es hätte nicht besser laufen können, um der Welt und auch der Mehrheit der Muslime zu zeigen, wie gefährlich diese Leute sind», sagte Klein gegenüber CBS News.
Klein bereut nicht, was der Film ausgelöst hat. «Leute fragen mich, ob ich jetzt Blut an den Hände habe. Da kann ich nur sagen: Nein, nicht ich, die anderen haben Blut an den Händen!»

Wie viel weiß Pastor Terry Jones?

Klein zufolge sind die Sponsoren des Films Christen, Juden und Muslime, die in den USA leben. Die Vermutung liegt nahe, dass Klein, möglicherweise auch Nakoula Basseley Nakoula alias Bacile, eine Verbindung zum radikalen Pastor und Sektenführer Terry Jones hat.

Jones hatte in den letzten Jahren mit seinen Koran-Verbrennungen Schlagzeilen gemacht – und blutige Unruhen in islamischen Staaten mit rund 50 Toten ausgelöst. Jetzt meldet sich Jones mit Genugtuung zu Wort: Sam Bacile, so der Religionsdemagoge aus Florida, sei nach seiner Kenntnis lediglich ein Pseudonym, welches der Filmemacher aus Sicherheitsgründen benutze.

(L'essentiel Online/gux/Olaf Kunz)

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