Déborah de Robertis – «Eine Szene vor meiner Vagina und meinen Augen»

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Déborah de Robertis«Eine Szene vor meiner Vagina und meinen Augen»

LUXEMBURG – Die luxemburgische Künstlerin de Robertis sorgte diese Woche mit ihrer Kunst-Peformance für Wirbel. «L‘essentiel» erklärt sie den Hintergrund ihrer Aktion.

«Das ist keine Kunst, das ist einfach nur eine behaarte Scheide«, «Eine 'Künstlerin', die gut daran täte, einen Psychologen zu konsultieren»: Die Kunst-Performance von Déborah de Robertis hat in den sozialen Netzwerken für jede Menge Reaktionen gesorgt. Die junge luxemburgische Künstlerin hatte für Aufruhr gesorgt, indem sie im Musée d’Orsay in Paris breitbeinig vor dem weltberühmten Werk «Ursprung der Welt» von Gustave Courbet posierte. «Exhibitionismus ist eine impulsive Handlung, kein kreierter Akt. Die Aktion ist Teil eines Prozesses, der mich seit mindestens zehn Jahren begleitet», rechtfertigt sich de Robertis gegenüber «L’essentiel».

Tatsächlich war die Performance in Paris nicht ihr erster provokanter Auftritt. Um für das Thema Dominanz (Mann/Frau, Künstler/Galerie, Prostituierte/Freier) zu sensibilisieren, posiert sie regelmäßig breitbeinig vor zeitgenössischen Kunstgalerien, Museen und an öffentlichen sowie politischen Orten. So ließ sie sich auch im Museum für moderne Kunst Mudam in Luxemburg-Stadt ablichten. Die so entstandene Foto-Serie «Mémoire de l’origine» («Gedächtnis des Ursprungs») ist das Ergebnis ihrer Zeit in der «Cité International des Arts Paris», einem Pariser Atelier- und Wohnkomplex für Künstler, in dem sie Ende 2013 lebte. Mit den Bildern wolle sie «die Abwesenheit von Blicken in 'Der Ursprung der Welt'» darstellen, so die Künstlerin. Das Original von Gustave Courbet zeigt nur den nackten Körper einer Frau – vornehmlich ihr Geschlechtsteil – aber kein Gesicht.

«Es war wie ein Balett»

Auch einige Internet-Nutzer glauben, die Idee verstanden zu haben: «Wenn man die Behaarung beiseite nimmt, zeigt sich der künstlerische Ansatz», erklärte eine Userin. Eine andere meint: «Ich habe selten eine Frau gesehen, die ihre Beine mit so viel Würde spreizt». Für sie vermittelt die Performance «eine echte Nachricht, die ohne Worte auskommt.» Genau das will die Künstlerin bezwecken. Für de Robertis lässt sich ihre Performance im Musée d’Orsay, «Miroire de l’origine» («Spiegel des Ursprungs») nicht auf die Nacktheit beschränken, sondern lebt durch «die Kraft dessen, was es in Bewegung bringt.»

Die junge Luxemburgerin scheint noch immer ganz aufgeregt, dass sie dem berühmten Gemälde ihr Gesicht – und ihr Genital – leihen konnte: «Als ich mich nach dem Vorbild des Originals vor den 'Ursprung der Welt' setzte, wurde ich zur Beobachterin einer Szene, die sich vor meiner Vagina – aber vor allem vor meinen Augen abspielte». Sie erklärt: «Das Ensemble der Menschen, von den Zuschauern über Medien bis hin zu der Polizei: Sie alle sind der Spiegel des Ursprungs und Teil der Arbeit, die noch immer ihre Wirkung zeigt, während ich mit Ihnen rede.» Und weiter: «Alle wurden zu Akteuren in der Szene, die sich um mich herum bewegten – Es war wie ein Ballett.» Gleichzeitig sei sie aber nicht auf Reaktionen aus, auch wenn sie wisse, dass die Performance ihr «eine Stimme verleiht.»

Ist es nun Kunst? Oder doch nur provokante Nacktheit? Daran scheiden sich die Geister, nicht nur im Internet. Nicht zuletzt ist es - wie so oft bei Kunst – einfach nur Ansichtssache.

«Cherry on top» ist ein weiteres Projekt von Déborah de Robertis:

(Fatima Rougi/Philip Weber/L'essentiel)

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