Unsportliches Getränk – Eine Tasse Tee - und schon ist Doping okay

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Unsportliches GetränkEine Tasse Tee - und schon ist Doping okay

Das hat dem Spitzensport gerade noch gefehlt: Athleten können die Einnahme von Doping verschleiern, indem sie eine Tasse Grüntee trinken.

Für alle, die sich nicht unter fairen Bedingungen im Sport messen wollen, heißt es jetzt «hoch die Tassen!»: Wer das männliche Sexualhormon Testosteron einnimmt, um seine sportliche Leistungsfähigkeit zu steigern, könnte dies durch das Trinken einer Tasse starken Grün-Tees vertuschen. Das zeigt ein Labortest, der an der Kingston University London von einem wissenschaftlichen Team um Declan Naughton durchgeführt wurde.

Das Hormon Testosteron findet man im Körper von Männern und Frauen. Entsprechend schwierig ist es, ein Doping mit Hormonpräparaten nachzuweisen. Bei Dopingkontrollen konzentriert man sich deshalb auf ein ungleiches Verhältnis zwischen Testosteron und einem Hormon namens Epitestosteron im Urin.

Verminderte Testosteron-Ausscheidung

Normalerweise bindet das Enzym UGT2B17 Glucuronsäure an Testosteron. Die Forscher fanden heraus, dass das in grünem Tee vorhandene Catechin das Enzym UGT2B17 hemmt und damit für eine verminderte Ausscheidung von Testosteron im Urin sorgt.

Doch die Kontrolleure sind vorbereitet: Bereits seit mehreren Jahren steht ein weiterer Test zur Verfügung. Dies, weil das Hormonverhältnis im Urin bei Asiaten anders ist, als etwa bei Menschen europäischer Herkunft: «Bei Nicht-Asiaten ist das Verhältnis von Testosteron und Epitestosteron im Urin etwa 1:1», weiß Matthias Kamber, Dopingtester aus der Schweiz. Zeigt der Standard-Test ein auffällig unausgewogenes Verhältnis der Hormone – zum Beispiel durch die Einnahme grünen Tees – an, komme laut Kamber seit 2008 ein weiteres Verfahren, die sogenannte Isotopenmassenspektroskopie zum Einsatz. «Bei diesem Urin-Test lässt sich körpereigenes von fremdem Testosteron unterscheiden.»

Der Dopingtest und das liebe Geld

Doch die Isotopenmassenspektroskopie ist teuer: «Eine normale Urin-Kontrolle kostet gut 200 Euro. Die Isotopenmassenspektroskopie zusätzlich 330 Euro. Aus diesem Grund wird er nur bei Auffälligkeiten eingesetzt», erklärt der Schweizer Tester.

Bei der WADA (World Anti-Doping Agency) denkt man schon seit einigen Jahren über die Einführung eines Blutpasses nach. Hierfür sollen die Sportler in unregelmäßigen Abständen zur Blutkontrolle aufgeboten werden. Analysierte Hormon- und andere dopingrelevante Werte werden dann im Ausweis dokumentiert.

Finanziert werden die kostenaufwändigen Tests durch Sponsoren. Bis der Pass Pflicht für alle Profisportler wird, heißt es, abwarten und ... Sie wissen schon.

(L'essentiel Online/Runa Reinecke)

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