9/11 – Eine Würdigung frei von Politik
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9/11Eine Würdigung frei von Politik

Bisher haben vorwiegend Politiker die Gedenkfeier zum 9/11 in New York gestaltet. Dieses Jahr ist am Ground Zero alles etwas anders: Politiker haben ein Redeverbot.

In der Vergangenheit haben bei den Gedenkfeiern für die Opfer der Anschläge des 11. Septembers 2001 in New York Würdenträger wie der US-Präsident am Ground Zero Reden gehalten. In diesem Jahr galt für Politiker in New York jedoch gewissermaßen ein Redeverbot.

Der Schwerpunkt lag stattdessen auf dem Privaten, dem persönlichen Schmerz, den der Verlust eines geliebten Menschen verursacht. «Wir haben diese tiefe, kollektive öffentliche Trauer hinter uns gelassen», sagte Charles G. Wolf, dessen Frau Katherine bei den Anschlägen auf das World Trade Center in New York getötet wurde.

«Und die Tatsache, dass die Politiker nicht beteiligt sein werden, macht sie (die Gedenkfeier) in meinen Augen intimer für die Familien. So kann das jetzt sein.»

Obama beim Pentagon

Ganz ausgeschlossen von den Gedenkfeiern waren die Politiker freilich nicht: US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle hatten im Vorfeld angekündigt, an der Zeremonie am Pentagon teilzunehmen.

Vizepräsident Joe Biden und Innenminister Ken Salazar wollten die Gedenkstätte nahe Shankesville besuchen und eine Rede halten. Dort war damals eines der von Terroristen entführten Flugzeuge abgestürzt.

Aber in New York war keine Rede eines Politikers vorgesehen. Die Organisation National September 11 Memorial and Museum, die für die Gedenkstätte am Ground Zero zuständig ist, hatte im Juli angekündigt, dass bei der diesjährigen Gedenkfeier lediglich Angehörige die Namen der Opfer vorlesen würden.

Es gehe dabei darum, «die Opfer und ihre Familien auf eine Art zu würdigen, die frei von Politik ist», erklärte der Präsident der Organisation, Joe Daniels, mit Blick auf die bevorstehenden Präsidentschafts- und Kongresswahlen im November.

Erinnerung an Menschen

Für George Pataki waren die zurückliegenden Jahrestage der Terroranschläge ein sehr persönliches Ereignis. Zum Zeitpunkt der Attentate auf das World Trade Center war Pataki Gouverneur des US- Staats New York.

«Wenn die Namen (der Opfer) vorgelesen werden, höre ich einfach zu und habe großartige Erinnerungen an Menschen, die ich sehr gut kannte, die auf dieser Liste mit Namen standen», sagte er. «Es war sehr emotional.»

Dennoch unterstützt Pataki den Entscheid, bei der diesjährigen Gedenkfeier in New York auf Reden von Regierungsvertretern zu verzichten. «Es ist Zeit, den nächsten Schritt zu tun und das ist, einfach damit weiterzufahren, die Opfer zu würdigen», sagte er.

(L'essentiel Online/dapd/Jennifer Peltz)

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