Michael Erpelding – «Einige Künstler werden wegen Covid aufhören»
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Michael Erpelding«Einige Künstler werden wegen Covid aufhören»

DIFFERDINGEN – Der frisch in Luxemburg eingebürgerte Schauspieler Michaël Erpelding erzählt über die Auswirkungen des Virus auf die Filmbranche.

L'essentiel: Welche Folgen hatte das Virus und die damit verbundenen Maßnahmen auf Ihre Projekte?

Michaël Erpelding: Ich war gerade dabei, Aufnahmen für zwei Filme zu machen. Wir erfuhren per E-Mail, dass bis nach Covid-19 alles ausgesetzt wird. Wir sollten im August, vielleicht im September, weitermachen.

Der Film-Sektor ist seit März geschlossen...

Am Montag konnte ich in Differdingen Aufnahmen für meine erste internationale Serie für Netflix machen: Tribes of Europa, mit dem deutschen Regisseurs Philip Koch. Es ist eine Science-Fiction-Serie, die ich im vergangenen September und Oktober in Kroatien und der Tschechischen Republik gedreht habe. Sie sollte Ende des Jahres rauskommen, aber wegen des Virus hat sich alles verzögert.

Ein großes Projekt?

Es waren 200 Leute am Set – und drei große Kräne. Ich habe in Prag viele Anproben für das sehr teure Kostüm gemacht und hatte einen eigenen Wohnwagen mit meinem Namen drauf. Mein erster. Das ist schon etwas für einen Schauspieler.

Wo wohnen Sie jetzt?

Nach Paris und Brüssel bin ich im vergangenen September nach Arlon zurückgekehrt, weil ich möchte, dass mein Sohn in der Nähe meiner Familie aufwächst – und vor allem eher in einem Dorf. Alleine wäre ich wohl in Paris geblieben.

Arbeiten Sie regelmäßig in Luxemburg?

Ich habe gerade meine Staatsbürgerschaft erhalten. Das ist wichtig, denn ich würde gerne für Produktionen in Luxemburg arbeiten, wo es viele schöne Projekte gibt. Die Castings reservieren Plätze für luxemburgische Schauspieler, eine Art Quote.

Wie haben Sie die Einschränkungen erlebt?

Es war schwierig. Denn als Schauspieler hat man das Bedürfnis, sich selbst auszudrücken. Dazu gehören auch menschliche Kontakte und Liebe. Durch das Virus und die Maßnahmen gab es nirgendwo Leben. Ich habe die Zeit ziemlich schlimm erlebt, auch wenn es am Anfang angenehm war, weil ich zuvor viel gearbeitet hatte. Ich konnte eine Pause einlegen, Zeit mit meinem Sohn verbringen. Ich hatte einige Reserven, so dass es am Anfang, zumindest finanziell gesehen, ganz gut lief.

Wie werden die Dreharbeiten mit Covid-19 ablaufen?

Ich denke, dass die Regisseure und Kameraleute Masken tragen und die Schauspieler sie während der Szenen abnehmen. Weil es in diesem Beruf nicht möglich ist, immer Abstand zu halten. Es gibt ja auch Szenen, in denen man sich küsst oder umarmt. Ich hoffe, dass die Akteure vorher getestet werden. Aber bei all den Verzögerungen und Vorsprechen, die ich erlebt habe, wird es ein Hochgefühl auslösen. Ich werde nicht mehr aufhören, aber hey: Wir haben uns auch genug ausgeruht.

Hat diese Zeit der Einschränkungen ein Vakuum an neuen Fernsehdramen geschaffen?

Einige Produktionen werden sich sicherlich verzögern. Aber es gibt so viele Projekte, die auf Eis gelegt wurden. Ich hoffe, dass dadurch andere Projekte eine Chance erhalten, die bereit waren aber in Vergessenheit geraten sind. Ich glaube nicht, dass es «Löcher» im Fernseh- oder Kinoprogramm geben wird, aber Verzögerungen.

Welche finanziellen Auswirkungen wird die Krise auf den Sektor haben?

Die Krise wird viel Schaden anrichten, vor allem in Belgien, wo weniger gut bezahlt wird. Unsere Gehälter könnten gekürzt werden, aber das ist ein nur ein Beitrag. Wir alle müssen helfen. Wir müssen jetzt aufhören, nur über uns nachzudenken. Einige Freunde haben keinen Künstlerstatus und befinden sich in einer dramatischen Situation. Viele von ihnen werden mit dieser Arbeit aufhören.

Ist die Kultur in der Krise vernachlässigt worden?

In Luxemburg und Frankreich wurden Dinge für Künstler getan, aber in Belgien ist die Kultur das letzte Rad am Wagen. Wir sind enttäuscht worden, obwohl wir die Menschen zum Träumen bringen, gerade während der Eindämmungs-Maßnahmen. Ich empfinde eine tiefe Wut über die Geringschätzung, die uns entgegengebracht wurde.

Ein zunehmend gefragter Schauspieler

Der belgisch-luxemburgische Schauspieler Michaël Erpelding, begann seine Fernsehkarriere im Jahr 2005. Seitdem ist der 39-Jährige in zahlreichen Serien aufgetreten, darunter «Avocats et Associés», «Plus Belle la Vie», «Section Zéro» von Olivier Marchal, «Une chance de trop» mit Alexandra Lamy, «Unité 42» oder «Les Rivières pourpres». Im Kino ist er insbesondere in «Un sac de billes» mit Patrick Bruel, «Carnivores» von Jérémy und Yannick Rénier oder «Le Lion» mit Dany Boon aufgetreten.

Zu seinen aktuellen Projekten gehören: die Netflix-Serie «Tribes of Europa» von Philip Koch, die Fernsehfilmreihe für France 3, «Black and White» über die Kolonialisierung, «Crossroad» von Frank Van Mechelen, «Baraki» von Frank de Loof oder der Kinofilm «After Blue» von Bertrand Mandico.

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Der Schauspieler Michaël Erpelding, hier mit Olivier Marchal, musste seine Dreharbeiten wegen der Coronavirus-Pandemie abbrechen.

Der Schauspieler Michaël Erpelding, hier mit Olivier Marchal, musste seine Dreharbeiten wegen der Coronavirus-Pandemie abbrechen.

Section zéro-canal
Im August oder Dezember sollten die Dreharbeiten weitergehen.

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Carlotta Forsberg
Michaël Erpeldingin zeigt seine Vielseitigkeit auch in der Serie «Section Zéro».

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