Gefahr für Biodiversität: Einstufung von Katzen als invasive Art wird in Polen zum Aufreger

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Gefahr für BiodiversitätEinstufung von Katzen als «invasive Art» wird in Polen zum Aufreger

Das ist der 1787. Eintrag in eine Datenbank des Naturinstituts der Akademie der Wissenschaften. Damit gelten Katzen auch als Gefahr für die Biodiversität.

ARCHIV - 14.07.2021, Niedersachsen, Hildesheim: Katze Abby verweilt im Tierheim vom Verein Tierschutz Hildesheim und Umgebung e.V. Die aktuellen hohen Temperaturen und Sonne belasten viele Tiere in Tierheimen. (zu dpa "Tierheime auf Hitze vorbereitet - große Belastung für die Tiere") Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Klassifizierung als «invasiv» sorgt in Polen für Kontroversen.

Julian Stratenschulte/dpa

Die wissenschaftliche Definition von Hauskatzen als «fremde invasive Art» hat in Polen eine emotionsgeladene Diskussion ausgelöst. Der von der Akademie der Wissenschaften vorgenommene Eintrag in eine ihrer Datenbanken weist auch auf den Schaden hin, den Stubentiger auf Freigang der Vogelwelt und anderen Tieren zufügen.

Das ist nicht wirklich neu und wird auch immer wieder in anderen Ländern aufgeregt diskutiert. Der für den Eintrag verantwortliche Biologe des Naturinstituts, Wojciech Solarz, sagt, es sei zunehmend wissenschaftlicher Konsens, dass «Felis catus» einen schädlichen Einfluss auf Biodiversität nehme, weil Hauskatzen viele Vögel und andere Säugetiere jagten und erlegten. Die Definition «fremde invasive Art» werde von der Katze zu «100 Prozent erfüllt».

Fremde Art in Europa

In der Datenbank sind 1786 Arten verzeichnet, aber erst Eintrag 1787 brachte Gemüter in einem Land in Wallung, in dem es auch Friedhöfe für Katzen gibt. In einer Fernsehdiskussion vor wenigen Tagen wies Dorota Suminska, Autorin des Buchs «Die glückliche Katze» auf andere Ursachen für eine schwindende Biodiversität hin, etwa Umweltverschmutzung und Fassaden, die für Vögel eine tödliche Gefahr sein können, sowie der Mensch selbst. Katzen werde unfair die Schuld zugeschoben.

Solarz sagte der Nachrichtenagentur AP, einige Medien hätten noch Öl ins Feuer gegossen, indem sie den falschen Eindruck erweckt hätten, das Institut habe sich für die Tötung von Katzen ausgesprochen. Sein Institut sah sich zu der Erklärung veranlasst, dass es «gegen jede Grausamkeit gegen Tiere» sei. Sie als «fremde invasive Art» zu bezeichnen, sei streng wissenschaftlich korrekt, da «Felis catus« wahrscheinlich vor etwa 10.000 Jahren in den großen Zivilisationen des antiken Nahen Ostens domestiziert worden sei. In Europa seien sie daher eine fremde Art.

Das Institut betonte, dass es eigentlich Katzenhalterinnen und -haltern nur empfehlen habe wollen, ihren Katzen während der Brutzeit die Freigänge zu begrenzen. Und Solarz erklärte: «Ich habe einen Hund, aber ich habe nichts gegen Katzen.»

Team Hund oder Team Katze?

(L'essentiel/dpa)

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