Neun Jahre Haft – Eltern getötet «wie ein tollwütiges Tier»

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Neun Jahre HaftEltern getötet «wie ein tollwütiges Tier»

MAINZ – Ein Mann, der nach eigenen Angaben seine Eltern mit einer Handsichel getötet hat, ist vom Landgericht Mainz zu neun Jahren Haft verurteilt worden.

Der Angeklagte Alexander S. mit seinem Anwalt Per Mayer.

Der Angeklagte Alexander S. mit seinem Anwalt Per Mayer.

DPA/Andreas Arnold

Mit zahlreichen Hieben mit einem Gartengerät tötet ein 45-Jähriger in Rheinhessen seine beiden Eltern: Für diese grausame Tat im Keller des gemeinsamen Hauses muss der Mann neun Jahre ins Gefängnis. «Der Angeklagte hat ganz klar entschieden: "Die bringe ich um"», sagte der Vorsitzende Richter Reinhold Koch am Dienstag bei der Verkündung der Entscheidung am Landgericht Mainz. Der Täter nahm die Entscheidung kühl und sachlich zur Kenntnis.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 45-Jährigen Mord vorgeworfen - das sah die Kammer nicht. Sie erkannte aber bei den vielen Schlägen auch keine Selbstverteidigung, wie der Anwalt des Täters argumentiert hatte. Verurteilt wurde der Mann aus Nieder-Hilbersheim (Kreis Mainz-Bingen) wegen zweifachen Totschlags. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Anwalt Per Mayer sagte, er prüfe eine Revision.

«Wie ein tollwütiges Tier»

Zu der Bluttat war es im Januar nach einem Streit gekommen. «Du führst dich auf wie ein Penner. Ehe ich so etwas Verwahrlostes durchfüttere, schlage ich dir auf den Kopf», soll der Vater den Sohn beschimpft haben. Der 45-Jährige sagte vor Gericht, sein Vater habe ihn nach der verbalen Auseinandersetzung als erster mit einer Sichel angegriffen.

Laut Richter Koch handelt es sich bei dem Tatwerkzeug um ein Macheten-artiges, am Kopfende stark gekrümmtes Gartengerät, das zum Abholzen von Ästen verwendet wird. Der Angeklagte sagte aus, er habe dem Vater ausweichen und ihm die Sichel aus der Hand nehmen können. Dann habe er immer wieder zugeschlagen, betonte Richter Koch. «Er hat ihn totgeschlagen wie ein tollwütiges Tier.»

Direkt danach soll die Mutter in den Keller gekommen sein - ob das stimmt, ist laut Gericht nicht nachprüfbar. Der Täter verpasste auch ihr Schläge auf Nacken, Hals und Hinterkopf. «Ein Kurzschluss? Sicherung durchgebrannt? Es ist kein Motiv feststellbar», sagte Richter Koch.

Zerrüttetes Verhältnis

Das Verhältnis zu seinen Eltern, die im Januar beide 68 Jahre alt waren, beschrieb der Mann im Prozess als äußerst angespannt. Schon in der Kindheit habe gegolten: schlagen, einsperren, ignorieren. «Ich habe mich als unerwünscht gefühlt.» Der Vater sei herrisch, dominant und rechthaberisch gewesen. Zu der Mutter schien er ein besseres Verhältnis gehabt zu haben - aber sie soll den Vater zu Schlägen angestachelt haben.

Obwohl der 45-Jährige sich ein Geschäft als eigenständiger Landschaftsgärtner aufgebaut hatte, habe er keine eigene Persönlichkeit entwickelt, meinte Richter Koch. «Er lebte still, zurückgezogen, sozial eher scheu.» Vielleicht habe er sich bei der Dominanz der Eltern unterlegen gefühlt und sei deswegen nicht ausgezogen. «Man kann nicht miteinander, aber man kann oder will auch nicht ohne einander.»

«Beachtliche Brutalität»

Nach Darstellung des Gerichts wickelte der Mann die beiden Leichen kurz nach der Tat in Folie ein. Mit einem Bagger hub er auf einem Feld ein tiefes Loch aus und versteckte sie dort. Mit Bindemittel beseitigte er das Blut im Keller und vergoss neuen Estrich, um die Spuren zu beseitigen. In einem weiteren Loch vergrub er Tatwerkzeug, Kleidung und Folie. Dann meldete er seine Eltern vermisst. Erst als ihn die Polizei mit Ermittlungsergebnissen konfrontiert, gesteht er die Tat. Ein Fall, findet Richter Koch, von «durchaus beachtlicher Brutalität».

(L’essentiel/dpa)

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