Würdevoller Abgang – Endet Mubarak in deutscher Luxusklinik?

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Würdevoller AbgangEndet Mubarak in deutscher Luxusklinik?

Schon seit dem Wochenende wird über ein mögliches Exil des ägyptischen Präsidenten in Deutschland spekuliert. Offenbar sind die Pläne für Mubaraks Abgang - als Krankenhausaufenthalt getarnt - konkreter als bisher angenommen.

Geht Husni Mubarak vorübergehend in Deutschland ins Exil? Ein längerer Deutschland-Aufenthalt wird nach Medienberichten seit dem Wochenende als Variante für einen würdevollen Abschied des ägyptischen Staatspräsidenten von der Macht diskutiert.

Ein verlängerter Gesundheitscheck des 82-Jährigen in Deutschland sei ein denkbares Szenario, um in der Zwischenzeit den Machtübergang vorzubereiten, hatte die «New York Times» berichtet. Berlin sei bereit, Mubarak für den Fall einer notwendigen medizinischen Behandlung die Einreise zu ermöglichen, berichtete die «Bild am Sonntag» unter Berufung auf Regierungskreise

Baden-Badener Luxusklinik im Visier

Am Montag scheinen die Vorbereitungen auf ein mögliches Exil viel konkreter als bisher angenommen. War am Wochenende noch ein Aufenthalt in einer Heidelberger Klinik im Gespräch, in der Mubarak bereits im März 2010 behandelt worden war, ist nun von einer Luxusklinik in Baden-Baden die Rede. Spiegel Online will aus dem Umfeld der Max-Grundig-Klinik «Bühlerhöhe» erfahren haben, dass dort eine mögliche Aufnahme des ägyptischen Präsidenten vorbereitet sei.

In der «Bühlerhöhe», die «erstklassige medizinische Versorgung» mit «Komfort und Service eines Spitzenhotels» verbindet hatten sich in der Vergangenheit bereits frühere ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko und der frühere russische Wirtschaftsminister German Gref behandeln lassen.

Behandlung «wäre Selbstverständlichkeit»

Bei deutschen Politikern sorgt die Exil-Idee derweil für kontroverse Diskussionen: «An Spekulationen beteiligen wir uns als Mitglieder der Bundesregierung in so einer sensiblen und wichtigen Frage nicht», sagte Außenminister Guido Westerwelle am Sonntagabend in der ZDF-Sendung «Berlin direkt».

In der deutschen Regierung mehrten sich am Montagmorgen jedoch die Stimmen, die eine Ausreise des 82-jährigen Husni Mubarak nach Deutschland befürworten würden, sollte sich der umstrittene Regimechef hierzulande einer medizinischen Behandlung unterziehen müssen. «Schon aus humanitären Gründen wäre es eine Selbstverständlichkeit, Mubarak falls nötig eine Behandlung in einem deutschen Krankenhaus zu ermöglichen», sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, der CDU-Politiker Ruprecht Polenz der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Alternativen zu Deutschland?

Mubarak hatte sich 2010 in der Uniklinik Heidelberg behandeln lassen. «Er kann - wie alle anderen Patienten auch - jederzeit kommen», sagte auch dort eine Kliniksprecherin am Sonntag der dpa. Konkrete Vorbereitungen auf einen Aufenthalt Mubaraks gebe es aber nicht. Mubarak hatte sich in Heidelberg im vergangenen März die Gallenblase und einen Dünndarmpolypen entfernen lassen und die «hervorragende Betreuung» gelobt.

Alternativen zu einem Exil in Deutschland werden ebenfalls diskutiert: So besitzt Husni Mubarak eine Ferienvilla im Nobel-Badeort am Roten Meer, Scharm el Sheik. Möglicherweise kommt auch das Sultanat Oman in Frage. Sultan Kabus, Herrscher von Oman und ein geschickter Vermittler, schickte am Sonntag einen Gesandten zu Mubarak.

L'essentiel Online (mit dpa)

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