Krieg in Libyen – Entführte Journalisten sind wieder frei

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Krieg in LibyenEntführte Journalisten sind wieder frei

Die vier in Sawija entführten italienischen Journalisten sind wieder frei. Die Nato bietet dem Übergangsrat zudem Geheimdienstinformationen an, um Gaddafi zu finden.

Die vier italienischen Journalisten, die am Mittwoch in Libyen entführt worden waren, sind wieder frei. Dies berichtete die Online-Seite der Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera», für die zwei der vier entführten Reporter berichteten. Die Journalisten seien wohlauf.

Die Journalisten waren am Mittwoch in der Nähe von Al-Sawija auf dem Weg nach Tripolis verschleppt worden, wie der italienische Konsul in Bengasi, Guido de Sanctis, gesagt hatte. Sie sollen sich in der Hand von mutmaßlichen Anhängern des langjährigen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi befunden haben.

Nato unterstützt Rebellen

Die Nato hilft nach Angaben des britischen Verteidigungsministers Liam Fox den Aufständischen in Libyen bei ihrer Jagd nach dem untergetauchten Diktator Muammar Gaddafi. Die Nato biete dem Übergangsrat der Rebellen «Geheimdienstinformationen und Ausrüstung zur Aufklärung», sagte Fox dem Sender Sky News.

Ein Sprecher seines Ministeriums in London nannte am Donnerstag in diesem Zusammenhang unter anderem Militärflugzeuge. Die Nato hatte bislang stets erklärt, Gaddafi sei nicht das Ziel ihrer Einsätze. Ziel sei der Schutz der Zivilbevölkerung. Allerdings hatte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Montag auch erklärt, Gaddafi müsse realisieren, dass er den Kampf nicht gewinnen könne.

Kämpfer durchkämmen Bunkeranlagen

Auch zwei Tage nach der Erstürmung seiner Residenz in Tripolis durch Rebellen fehlt von Gaddafi jede Spur. Kämpfer der Aufständischen durchkämmten die Bunkeranlagen unter der riesigen Militäranlage Bab al-Asisija. In der Nacht zum Mittwoch hatte Gaddafi in Audio-Botschaften erklärt, er wolle notfalls den «Märtyrertod» sterben.

Den in britischen und französischen Medien zirkulierenden Berichten, wonach seit einiger Zeit in Zivil gekleidete britische und französische Elite-Soldaten auf Seiten der Rebellen kämpften, begegnete Minister Fox im Radio BBC mit den Worten, es gebe «keineswegs einen Plan, dass britische Soldaten ihren Fuß auf (libyschen) Boden setzen».

Botschafter kündigen Gefolgschaft

Viele der Auslandsvertretungen haben der Regierung des langjährigen Machthabers die Gefolgschaft gekündigt. Der libysche Konsul in Manila, Faradsch Sarrug, sagte, etwa 85 Prozent der insgesamt 165 Vertretungen hätten den Nationalen Übergangsrat der Rebellen anerkannt.

«Das Spiel ist aus für Herrn Gaddafi!», sagte Sarrug. «In ein paar Tagen wird alles vorüber sein, hoffentlich. Ich bin sehr glücklich».

Kämpfe um den Flughafen

In Libyen dauern die Kämpfe zwischen Aufständischen und Truppen des untergetauchten Diktators Muammar Gaddafi an. In der Hauptstadt Tripolis kam es in der Nacht zum Donnerstag am Internationalen Flughafen wieder zu schweren Gefechten.

Nach Angaben der Rebellen setzten die Gaddafi-treuen Truppen bei den Kämpfen am Flughafen von Tripolis in der Nacht auch Grad-Kurzstreckenraketen ein. Gaddafis Anhänger hielten nach Berichten arabischer Medien noch in zwei Stadtvierteln von Tripolis die Stellung.

Medikamente werden knapp

Auch außerhalb der Hauptstadt sind noch weitere Gebiete, etwa Gaddafis Heimatort Sirte, in der Hand der Regierungstruppen. Gaddafis Truppen umstellten zudem die westlibysche Stadt Suara und bombardierten sie. Die Küstenstadt liegt an der strategisch wichtigen Strasse, die Tripolis mit der tunesischen Grenze verbindet.

Aufgrund der hohen Opferzahlen bei den Kämpfen der vergangenen Tage werden in den Spitälern die Medikamente knapp. Ärzte sprechen von chaotischen Zuständen. Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera veröffentlichte auf Bitten der Ärzte des Zentralspitals in Tripolis eine Liste mit dringend benötigten Medikamenten und medizinischem Material.

Internationale Hilfsorganisationen wurden um Hilfe gebeten. Wie ein Mitarbeiter des Zentralspitals sagte, kamen bis Mittwoch allein beim Kampf um Tripolis 435 Menschen ums Leben, mehr als 2000 wurden verletzt.

Wahlen angekündigt

Die Übergangsregierung läutete derweil bereits eine neue Ära ein. Sie plane die Bildung eines Kabinetts, gab sie bekannt. Zudem kündigte sie die Ausarbeitung einer Verfassung sowie Wahlen binnen acht Monaten an.

Die Rebellen forderten die internationale Gemeinschaft zur Freigabe von fünf Milliarden Dollar für humanitäre Zwecke auf. Die Summe könne aus den in aller Welt eingefrorenen libyschen Staatsgeldern bestritten werden, sagte ein Vertreter der Aufständischen beim Treffen der sogenannten Libyen-Kontaktgruppe in Doha. Zunächst hatten die Rebellen 2,5 Milliarden Dollar gefordert.

In Paris kündigte der französische Staatschef Nicolas Sarkozy eine Libyen-Aufbaukonferenz für den 1. September in der französischen Hauptstadt an.

Die Übergangsregierung setzte ein Kopfgeld von 1,7 Millionen Dollar für das Auffinden von Gaddafi aus. Den Vertrauten des Diktators wurde außerdem Straffreiheit zugesichert, wenn sie bei seiner Ergreifung helfen.

L'essentiel online/sda/dpa

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