Dr. Sex – «Er hat fast nur noch Lust auf Analverkehr!»
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Dr. Sex«Er hat fast nur noch Lust auf Analverkehr!»

Zoes Freund ist beim Sex immer dominanter geworden und will Praktiken, die ihr nicht gefallen. Soll sie ihm eine offene Beziehung vorschlagen?

Eine offene Beziehung ist kein Allheilmittel.

Eine offene Beziehung ist kein Allheilmittel.

iStock/Champja

Frage von Zoe (33) an Dr. Sex: Ich bin mit meinem Partner seit neun Jahren zusammen, sieben davon sind wir verheiratet. Abgesehen vom Sex, haben wir eine stimmige Beziehung. Aber schon seit einiger Zeit hat sich unser körperliches Zusammensein sehr verändert und ist einfach nicht mehr so wie früher.

Er ist mit den Jahren zunehmend dominant geworden und mittlerweile hat er eigentlich fast nur noch Lust auf Analverkehr. Ich habe ihm aber schon sehr oft gesagt, dass diese Praktik für mich überhaupt nicht angenehm ist und dass ich mich nicht wohl fühle dabei. Aber er bleibt dabei.

Ich will ihn nicht verlieren, da wir es sonst eigentlich gut haben zusammen, und spiele darum mit dem Gedanken, ihm eine offene Beziehung vorzuschlagen. So könnte er sich sexuell in der Art befriedigen, wie er es zu brauchen scheint und mit mir nicht kann. Gleichzeitig hätte ich meine Ruhe. Was denkst du über meine Idee?

Antwort von Dr. Sex

Liebe Zoe

Eine offene Beziehung, manche nennen es auch Polyamorie, scheint zunehmend in den Rang eines Allerheilmittels für alle erdenklichen sexuellen Probleme in einer Beziehung aufzusteigen. Nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen diese Formen einzuwenden hätte. Aber ganz so einfach, wie sich das manche Menschen vorstellen, ist die Sache halt eben nicht.

Mit jemandem Sex zu haben, ist mehr, als sich mal kurz und unverbindlich ein bisschen an- und ineinander zu reiben und nach dem Höhepunkt das Weite zu suchen. Man lässt sich dabei in einer Art aufeinander ein, die in unserer Kultur nach wie vor überhaupt nicht selbstverständlich und daher auch nicht so easy handhabbar ist.

In jeder körperlich-sexuellen Begegnung mit einem Menschen können Gefühle, Leidenschaften und Emotionen ins Spiel kommen. Und diese können dazu führen, dass die Sache aus dem Ruder läuft und die Umstände chaotisch werden. Sich auf eine offene Beziehung einzulassen, erfordert daher Selbstbewusstsein und Sicherheit im Umgang mit sich, dem Beziehungs- und dem Sexualpartner.

Ich verstehe, dass die Aussicht für dich verlockend ist, dir mit einem solchen Angebot an deine Partner eine Menge Ärger vom Hals zu schaffen. Vermutlich wird die Zahl der Probleme damit aber nur kurzfristig ein wenig ab- und in absehbarer Zeit ziemlich stark zunehmen. Ich empfehle dir daher, mit Bedacht vorzugehen.

Bevor du dich definitiv dafür entscheidest, solltest du nochmals in Ruhe abwägen, welche Konsequenzen ein solches Projekt für dich – beziehungsweise für euch als Paar – haben könnte. Erst danach ergibt es Sinn, mit deinem Partner darüber zu reden, dass du dir Gedanken in diese Richtung gemacht hast.

Danach könnt ihr gemeinsam überlegen, ob und wie weit ihr bereit seid, die möglichen Auswirkungen in Kauf zu nehmen. Vielleicht führt dieser Prozess ja dazu, dass er, du oder auch ihr beide erkennt, dass ein solches Experiment keine Lösung ist und ihr euch lieber einige Gespräche bei einem Beziehungsberater gönnt und so euer Zusammensein konsolidiert. Alles Gute!

(L'essentiel/wer)

Bruno Wermuth ist Sexualberater und -pädagoge. Als «Dr. Sex» beantwortet er Fragen der L'essentiel- und 20 Minuten-Leser zur schönsten Nebensache der Welt.

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