Minneapolis-Officer – «Er ließ mich blutend liegen»
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Minneapolis-Officer«Er ließ mich blutend liegen»

Der Polizist, der George Floyd minutenlang mit dem Knie würgte, soll schon 2008 um ein Haar einen Afroamerikaner getötet haben.

Der weiße Polizist, der den Afroamerikaner George Floyd so lange das Knie in den Hals drückte, bis dieser das Bewusstsein verlor und anschließend im Krankenhaus verstarb, soll schon einmal um ein Haar einen Menschen umgebracht haben. Das berichtet die amerikanische News-Plattform Daily Beast.

Demnach soll der Polizist bereits 2008 bei einem Polizeieinsatz zu übertriebener Gewalt geneigt haben – ebenfalls gegenüber einem Afroamerikaner. Das erzählt Ira Latrell Toles, der 2008 in den Einsatz involviert war. Toles, der wie der verstorbene George Floyd aus Minneapolis kommt, wurde während des Einsatzes übel zusammengeschlagen und, als er sich dagegen wehrte, in den Bauch geschossen.

Aus nächster Nähe geschossen

Die Polizei soll damals wegen häuslicher Gewalt ausgerückt sein. Toles wurde in diesem Punkt später auch von einem Gericht für schuldig befunden. Der Polizist sei ohne weitere Ankündigung ins Badezimmer gestürzt und habe angefangen, auf ihn einzuprügeln, sagt Toles.

«Ich konnte nur annehmen, dass es sich bei ihm um einen Polizisten handelte», so Toles. «Er hat sich weder vorgestellt noch mir einen Befehl gegeben. Er hat mich bloß mit seiner Waffe geschlagen.» Offenbar soll sich Toles zur Wehr gesetzt haben und nach der Waffe des Polizisten gegriffen habe – worauf dieser auf ihn geschossen habe. Toles hat bis heute ein fingergroßes Loch im Bauch. An den Schuss erinnert er sich nicht mehr.

Blutend liegen gelassen

«Ich erinnere mich nur noch daran, wie sich mich aus der Wohnung führten, wo ich im Eingangsbereich kollabierte. Sie ließen mich blutend liegen, bis die Ambulanz kam», so Toles. Er ist sich sicher: «Der Polizist versuchte, mich umzubringen.»

Toles erhebt schwere Vorwürfe der Polizeibehörde gegenüber: «Hätte man den Polizisten aus dem Verkehr gezogen nach dem Vorfall mit mir, wäre George Floyd noch am Leben.» Er habe immer gewusst, dass der Polizist so etwas nochmals tun werde.

«Ich kann nicht atmen»

George Floyd verstarb am Montagabend nach einem Polizeieinsatz. Ein weißer Polizist drückte sein Knie mehrere Minuten lang an Floyds Hals, der wiederholt um Hilfe flehte, bevor er das Bewusstsein verlor. Wiederholt sagte der Afroamerikaner: «Ich kann nicht atmen.» Er starb kurz danach in einem nahen Krankenhaus. Die insgesamt vier involvierten Polizisten wurden entlassen.

In der Folge kam es zu teilweise gewalttätigen Demonstrationen in und rund um Minneapolis. Die schwarze Community sieht im Vorfall einen weiteren Beweis für die strukturelle Staatsgewalt an schwarzen US-Bürgern. Donald Trump droht mit der Nationalgarde, sollten sich die Unruhen nicht legen.

(L'essentiel/Reto Heimann)

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