Senator McCain – Er scheut keinen Krieg – auch nicht gegen Trump

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Senator McCainEr scheut keinen Krieg – auch nicht gegen Trump

Keiner kann Donald Trump gefährlicher werden als John McCain. Der Senator bekämpft Trump wegen einer Kränkung – und aus Prinzip.

Seit vielen Jahren genießt US-Senator John McCain den Ruf eines «Maverick» – eines Außenseiters. Doch nie hat der Republikaner aus Arizona dieser Beschreibung entschlossener nachgelebt als heute, vier Wochen nach Donald Trumps Amtseinführung. Der 80-jährige Vietnam-Veteran ist für den neuen Präsidenten mit Abstand der gefährlichste Politiker geworden.

Auf einer Reise an die Sicherheitskonferenz in München bewies McCain seinen Mut zur Kritik an seinem Parteikollegen mit Anspielungen, ohne den Namen Trump auszusprechen. Dessen jüngsten getwitterten Vorwurf gegen die Presse, sie sei der «Feind des amerikanischen Volks», kommentierte McCain in einem NBC-Interview mit dem Satz: «Wenn man sich die Geschichte anschaut, dann haben Diktatoren als Erstes die Presse mundtot gemacht.»

«Trumps Weltsicht auseinandergenommen»

Zuvor hatte McCain in einer Rede in mehreren Punkten «Trumps gesamte Weltsicht auseinandergenommen», schrieb die «Washington Post». Zur Begründung seiner These, dass die westliche Welt in diesem Jahr einzigartig gefährdet sei, nannte McCain vier bedrohliche Trends:

• Die «zunehmende Wendung weg von universellen Werten hin zu den alten Bezügen auf Blut, Rasse und Religion»;

• den «sich verhärtenden Groll gegen Einwanderer, Flüchtlinge und Minoritäten – speziell Muslime»;

• die «wachsende Unfähigkeit – sogar den Widerwillen –, die Wahrheit von Lügen zu trennen»;

• den Trend, dass «immer mehr Bürger mit Autoritarismus flirten und ihn als moralisch gleichwertig romantisieren».

Unverkennbar erklärt McCain die vier Trends mit einer gemeinsamen treibenden Kraft: Donald Trump im Weißen Haus. Diese politische Realität ist offenbar quälend unangenehm für John McCain, der 2008 selbst einmal Präsident werden wollte und Barack Obama unterlag.

Angeber gegen Idealist

Die zwei Politiker könnten unterschiedlicher kaum sein. Trumps inhaltlich beliebige Großspurigkeit widerspricht McCains Charakter, der Prinzipien folgt. Für Trump dreht sich alles um Transaktionen, um Deals. McCain hält universelle Werte wie Demokratie und Freiheit hoch; er ist der Überzeugung, die USA müssten sich weltweit dafür einsetzen. Entsprechend war McCain für den Irak-Krieg. Heute sagt man ihm nach, er liebe jeden Krieg. Trump hingegen will keine Demokratie exportieren. Stattdessen soll sich Amerika um sich selbst kümmern.

Die Weltsicht des Kriegshelden McCain ist auch biografisch bedingt. Der Air-Force-Veteran wurde in einem Gefängnis in Nordvietnam gefoltert und harrte aus Solidarität mit anderen amerikanischen Kriegsgefangenen fünf Jahre lang aus, obwohl man ihm die Freilassung angeboten hatte. Trump hingegen lässt die moralische Autorität McCains kalt. Im Wahlkampf spottete er: «Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden.»

«Bedrohung für die Republik»

Diese Beleidigung markiert den Beginn der Feindschaft zwischen den beiden Politikern. Bis Oktober letzten Jahres hielt sich McCain noch mit Kritik an Trump zurück, wohl weil er zuerst im Primärwahlkampf einen Trump nahestehenden Herausforderer besiegen musste. Kaum war seine Wiederwahl in den Senat gesichert, wetzte er seine Messer. Nach der Publikation des «Access-Hollywood»-Videos mit Trumps Sex-Geprahle erklärte McCain, er werde im November nicht für den Kandidaten seiner Partei stimmen.

McCains Berater bezeichnen Trump in einem langen Porträt im «New York Magazine» als «echte Bedrohung für die Republik». Er selbst vergleicht Trumps Verhältnis zu Putin mit dem Molotow-Ribbentrop-Pakt vor dem Zweiten Weltkrieg zwischen der Sowjetunion und Nazideutschland. Unausgesprochen macht er klar, wer heute der Faschist ist.

Erst Sonderermittler, dann Impeachment?

Zur wahren Gefahr für Trump könnte McCain werden, weil er den Vorsitz des Streitkräfteausschusses im Senat innehat. In dieser Funktion wirkt er jetzt darauf hin, dass ein Sonderermittler die Russlandkontakte von Trump-Leuten untersucht. Womöglich setzt sich McCain gegen die republikanischen Kongressführer durch, die Trump vor einem mit Vollmachten ausgerüsteten Sonderanwalt schützen wollen.

Gewieft durch 34 Jahre Erfahrung in Washington weiß McCain, dass ein solcher Ermittler vielleicht Wege geht und Informationen ausgräbt, die einen Präsidenten vernichten können. Es sei nicht sein Ziel, Trump des Amtes zu entheben, wiegelt McCain ab. Doch dann sagt er zum Impeachment: «An diesem Punkt sind wir klar noch nicht – bislang.»

McCains Rede an der Münchner Sicherheitskonferenz:

(Video: Youtube/Positiv News)

(L'essentiel/sut)

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