Freunde über Eindringling – «Er war die meiste Zeit ein bisschen seltsam und ruhig»
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Freunde über Eindringling«Er war die meiste Zeit ein bisschen seltsam und ruhig»

Jaswant Singh Chail drang am Samstag auf Schloss Windsor ein, mit dem Plan, die Queen zu ermorden. Doch wer ist der 19-Jährige, der auf Schulfreunde oft unscheinbar wirkte?

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Der 19-jährige Jaswant Singh Chail kletterte am Samstag gegen 8.29 Uhr mit einer provisorischen Strickleiter über den Zaun am Cambridge Gate auf Schloss Windsor. Sein Ziel: Queen Elizabeth zu ermorden.

Der 19-jährige Jaswant Singh Chail kletterte am Samstag gegen 8.29 Uhr mit einer provisorischen Strickleiter über den Zaun am Cambridge Gate auf Schloss Windsor. Sein Ziel: Queen Elizabeth zu ermorden.

Privat
Die Monarchin saß zu diesem Zeitpunkt gerade beim Frühstück, wie diverse britische Medien berichteten.

Die Monarchin saß zu diesem Zeitpunkt gerade beim Frühstück, wie diverse britische Medien berichteten.

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Eigentlich wollte die Königin in diesem Jahr wieder auf ihrem Landsitz Sandringham Weihnachten feiern, doch coronabedingt musste sie die Reise absagen.

Eigentlich wollte die Königin in diesem Jahr wieder auf ihrem Landsitz Sandringham Weihnachten feiern, doch coronabedingt musste sie die Reise absagen.

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Freundlich und schüchtern – so wirkt Jawant Singh Chail auf Privat-Fotos, die die «Daily Mail» veröffentlichte. Bilder, welche in starkem Kontrast zu dem Video stehen, das der 19-Jährige am Samstag gegen 8.06 Uhr Freunden auf Snapchat schickte. Darin zeigt er sich mit Maske und Armbrust, kündigt mit Computer verzerrter Stimme an, die Queen zu ermorden.

Um 8.29 Uhr kletterte er dann mithilfe einer Strickleiter über den Zaun am Cambridge Gate der Queen-Residenz Schloss Windsor – und wurde um 8.30 Uhr festgenommen. Eine Befragung der Polizei war bislang nicht möglich: Nach einer psychiatrischen Begutachtung wurde er in eine entsprechende Einrichtung zwangseingewiesen. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

«Er war die meiste Zeit ein bisschen seltsam und ruhig», sagte einer seiner ehemaligen Schulkollegen gegenüber der britischen Zeitung. Seine Klassenkameraden erzählten, er habe stets versucht, andere mit unangemessenen Witzen zum Lachen zu bringen. Ein anderer Kollege gab an: «Er schien ein ganz normaler Junge zu sein. Nichts, was ihn von anderen unterscheidet.» Es habe nur einmal einen Vorfall gegeben, als er sich mit jemandem gestritten habe, «aber da war er 13».

Er und seine Schwester sind «Star Wars»-Fans

Weiter gaben Freunde an, Jawant, der ein Schüler der Toynbee School in Chandlers Ford war, stehe seiner Zwillingsschwester, die derzeit internationale Beziehungen an der Universität studiert, sehr nahe. Als Kinder seien sie «unzertrennlich» gewesen. Die Geschwister teilen vor allem das große Interesse an den «Star Wars»-Filmen. Eine Vorliebe, die auch im Droh-Video des jungen Mannes ersichtlich ist.

In der Aufnahme scheint der 19-Jährige verschiedene Hinweise auf Schurken aus der «Star Wars»-Filmreihe zu machen, die nun untersucht werden. «Ich bin ein indischer Sikh, ein Sith. Mein Name war Jaswant Singh Chail, mein Name ist Darth Jones», sagte er in dem Clip. Dies werde laut «Daily Mail» als Hinweis auf die Feinde der Jedi-Ritter verstanden, die die dunkle Seite der Macht für das Böse nutzen. Zudem sei im Video hinter Chail ein gerahmtes Bild des bösen Sith-Lords Darth Malgus ersichtlich.

Jawant wuchs in einem liebevollen Umfeld auf

Sein Motiv für die Tat: Er nehme unter anderem Rache für die Toten des Amritsar-Massakers 1919. Damals hatten britische Kolonialtruppen in der indischen Stadt Amritsar das Feuer auf Demonstranten und Demonstrantinnen eröffnet und Hunderte getötet. Die Polizei untersuche nun, warum Chail sich für ein jahrhundertealtes Massaker rächen wollte. Dafür besuchten sie bereits eine Reihe von Sikh-Tempeln in ganz Hampshire, um die genauen Hintergründe herauszufinden. Doch Jawant soll in den Tempeln unbekannt gewesen sein.

Von dem Vorfall zeigte sich sein Vater Jasbir Singh Chail gegenüber der «Daily Mail» verzweifelt: «Mit unserem Sohn ist etwas furchtbar schiefgelaufen und wir versuchen herauszufinden, was.» Er sei gerade dran, «ihm die Hilfe zu besorgen, die er braucht». Die Chails leben in ihrem eigenen Haus rund 130 Kilometer südwestlich der Hauptstadt London.

Der 57-jährige Familienvater ist Software-Ingenieur, er leitet zusammen mit seiner 51-jährigen Ehefrau eine eigene Firma bei sich zuhause. Der Sohn wuchs nach Angaben der «Daily Mail» in einem komfortablen und liebevollen Umfeld auf. Was Jaswant Singh Chail zu seinem verstörten Auftritt führte, ist für alle bislang noch ein Rätsel.

(L'essentiel/Katrin Ofner)

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