Journalist in der Ukraine getötet: «Er war kein Hitzkopf, er wog jede Minute seiner Mission ab»
Publiziert

Journalist in der Ukraine getötet«Er war kein Hitzkopf, er wog jede Minute seiner Mission ab»

Der französische Kameramann Frédéric Leclerc-Imhoff wurde am Montag in der ukrainischen Region Luhansk von Splittern tödlich verletzt. Sein Chef verteidigt den Einsatz des 32-Jährigen.

von
Karin Leuthold
1 / 7
Frédéric Leclerc-Imhoff war am 30. Mai in einem Bus mit flüchtenden Zivilisten unterwegs gewesen, als das Fahrzeug von russischen Bomben angegriffen wurde.

Frédéric Leclerc-Imhoff war am 30. Mai in einem Bus mit flüchtenden Zivilisten unterwegs gewesen, als das Fahrzeug von russischen Bomben angegriffen wurde.

AFP
Der 32-jährige Kameramann starb, sein Arbeitskollege erlitt beim Angriff Verletzungen.

Der 32-jährige Kameramann starb, sein Arbeitskollege erlitt beim Angriff Verletzungen.

AFP
Der getötete Reporter sei «kein Hitzkopf» gewesen, sondern habe seinen Einsatz im Kriegsgebiet sorgfältig abgewogen, sagte BFMTV-Chef Marc-Olivier Fogiel.

Der getötete Reporter sei «kein Hitzkopf» gewesen, sondern habe seinen Einsatz im Kriegsgebiet sorgfältig abgewogen, sagte BFMTV-Chef Marc-Olivier Fogiel.

AFP

Beim französischen Sender BFMTV herrscht nach dem Tod einer seiner Kriegsreporter große Trauer. Der 32-jährige Frédéric Leclerc-Imhoff wurde bei einem Angriff auf einen Bus mit Flüchtenden aus Sewerodonezk getötet. Leclerc-Imhoff war zusammen mit seinem Arbeitskollegen Maxime Brandstaetter, der ukrainischen Vermittlerin Oksana Leuta und mehreren Zivilisten unterwegs. Das Journalistenteam begleitete eine humanitäre Evakuierung. Dabei wurde Leclerc-Imhoff von einem Bombensplitter getroffen. Brandstaetter wurde leicht verletzt, Leuta blieb unverletzt.

Französische Medien huldigen am Dienstag dem «großartigen» Kameramann. Für Leclerc-Imhoff war es der zweite Einsatz in der Ukraine seit Beginn des Konflikts. Der 32-Jährige sei ein «fröhlicher, enthusiastischer, wohlwollender und mutiger Mensch» gewesen, heißt es in der Erklärung der Journalistengesellschaft. Selbst der französische Präsident Emmanuel Macron widmete dem Getöteten Worte des Lobes auf Twitter: «Als Journalist war Frédéric Leclerc-Imhoff in der Ukraine, um die Realität des Krieges zu zeigen.»

Leclerc-Imhoff wuchs in Paris auf, studierte am Institut für Journalismus Bordeaux Aquitaine (IJBA). Nach der Ausbildung arbeitete er zunächst als Reporter und Dokumentarfilmer für die Agentur Capa, seit mehr als sechs Jahren war er bei BFMTV tätig.

«Ich bin stolz auf seine Entscheidungen»

Sein Chef erklärte in der Nachrichtensendung auf BFMTV, dass die drei Teammitglieder am Montagmorgen die Gefahren einer Flucht aus Sewerodonezk ausgewogen hätten. «Sie tauschten sich wie jeden Morgen aus. Oksana und Frédéric waren der Meinung, dass die Mission sicher genug sei, um mitfahren zu können. Maxime hatte mehr Zweifel, wie er sie auch am Vortag oder am nächsten Tag hätte haben können. Aber (...) das ist auch das, was ein Reportageteam ausmacht, es sind sehr eng verbundene Menschen, sie haben beschlossen zu gehen», erklärte Marc-Olivier Fogiel.

Er wolle Leclerc-Imhoff für sein «Engagement» würdigen und betonte, dass «er kein Hitzkopf war. Er wog jede Minute seiner Mission ab.» Während der Abendsendung teilte der Direktor des französischen Senders eine kurze Nachricht der Mutter des getöteten Journalisten. «Er war tatsächlich sehr engagiert und ich bin stolz auf seine Entscheidungen», schrieb sie Fogiel.

Nach dem tragischen Tod des Kameramannes hat die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Paris Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen eingeleitet. Die Untersuchungen wurden am Montagabend unter anderem wegen vorsätzlichen Angriffs auf das Leben einer durch das Völkerrecht geschützten Person aufgenommen, meldete die Nachrichtenagentur AFP.

Deine Meinung

0 Kommentare