Doktor Sex: «Er will nicht, dass ich über seine Impotenz rede!»

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Doktor Sex«Er will nicht, dass ich über seine Impotenz rede!»

Gerdas Partner glaubt, sie wolle ihn bloßstellen, da sie ihre Sorgen über die Folgen seines Problems auf die Paarsexualität mit einer Freundin besprechen möchte. Muss sie deshalb schweigen?

von
Bruno Wermuth
Gerdas Partner hat Erektionsprobleme. Dass sie darüber mit zwei Freundinnen spricht, stört ihn sehr. Dr. Sex weiss Rat.

Gerdas Partner hat Erektionsprobleme. Dass sie darüber mit zwei Freundinnen spricht, stört ihn sehr. Dr. Sex weiß Rat.

Maxime Gauthier / Unsplash

Frage von Gerda (42) an Doktor Sex

Antwort von Doktor Sex

Liebe Gerda,

eine erektile Dysfunktion – also die dauerhafte Unfähigkeit, eine Erektion bei sexueller Erregung zu bekommen oder aufrechtzuerhalten – kann die Lebensqualität des betroffenen Mannes und seiner Lebenspartnerin oder seines Lebenspartners sehr stark einschränken.

Männer haben, häufiger als Frauen, Schwierigkeiten, sich bei körperlichen Unzulänglichkeiten und Störungen Unterstützung zu holen oder darüber zu sprechen. Sie ziehen sich zurück und leiden einsam. Ich vermute, dass bei deinem Partner eine ähnliche Dynamik im Gang ist.

Da er keine andere Strategie kennt, ist es aus seiner Sicht logisch, dich in dieses Vermeidungs- und Rückzugsverhalten einbinden zu wollen. Dies ist aber keine Lösung! Selbstverständlich ist es dein Recht, dich mit jemandem auszutauschen über das, was du erlebst, und wie es sich für dich anfühlt. Und es wäre auch für deinen Mann wichtig, aus seinem Schneckenhaus herauszukommen und sich Hilfe zu holen!

Trotzdem bringt es nichts, wenn du ihn unter Druck setzt. Der Impuls sollte von ihm kommen, sonst ist kaum mit einer echten Veränderung zu rechnen. Wenn du magst, kannst du ihm ja meine Antwort zeigen. Vielleicht bewirkt sie einen Umschwung in seiner Haltung und seinem Denken.

Folgendes sollte dein Mann unbedingt wissen: Potenzprobleme können neben psychischen auch körperliche Ursachen haben. Besonders zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht. Aber auch Alkohol, Nikotin und andere Drogen sowie manche Medikamente können zu Impotenz führen.

Daher sollten sich Männer mit Potenzproblemen unbedingt gründlich vom Hausarzt oder von einem Urologen untersuchen lassen. Nur so können körperliche Erkrankungen frühzeitig erkannt oder sicher ausgeschlossen werden. Sind psychische Probleme die Ursache, kann eine psychiatrisch-psychologische Begleitung hilfreich sein. Je früher Betroffene therapeutische Hilfe suchen, desto größer sind die Chancen auf Heilung.
Diagnostisch liegt eine «echte» erektile Impotenz dann vor, wenn ein Mann mindestens sechs Monate oder länger unfähig ist, eine Erektion zu bekommen oder so lange aufrechtzuerhalten, um einen befriedigenden Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Untersuchungen legen nahe, dass rund 50 Prozent der über 40-jährigen Männer zumindest vorübergehend davon betroffen sind. Ein «Risikofaktor» für Impotenz ist also auch das Alter.

Dr. Sex

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