Wahlsieg für Marine Le Pen – Erst die Regionen, dann der Elysée-Palast?

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Wahlsieg für Marine Le PenErst die Regionen, dann der Élysée-Palast?

Ihr Sieg bei den Regionalwahlen soll nur ein Schritt hin zu einem größeren Ziel sein. Und dazu gab Marine Le Pen schon einmal ein Versprechen ab.

epa05044983 Leader of French far-right political party National Front (FN) Marine Le Pen delivers a speech during a political rally for the French regional elections, in Nice, France, 27 November 2015. French regional elections will take place on 06 and 13 December 2015. EPA/SEBASTIEN NOGIER +++(c) dpa - Bildfunk+++

epa05044983 Leader of French far-right political party National Front (FN) Marine Le Pen delivers a speech during a political rally for the French regional elections, in Nice, France, 27 November 2015. French regional elections will take place on 06 and 13 December 2015. EPA/SEBASTIEN NOGIER +++(c) dpa - Bildfunk+++

DPA/Sebastien Nogier

Bei den Regionalwahlen in Frankreich hat Front-National-Chefin Marine Le Pen auch persönlich triumphiert: Sie landete in der ersten Wahlrunde als FN-Spitzenkandidatin in ihrer Regionen auf dem ersten Platz.

«Das ist ein wunderbares Ergebnis», triumphierte Marine Le Pen am Wahlabend. Für die Vorsitzende des Front National sind die Regionalwahlen aber nur ein Schritt hin zu einem größeren Ziel: Die 47-Jährige hat längst Kurs auf die Präsidentschaftswahlen 2017 genommen und will den Élysée-Palast erobern.

Umfragen zufolge dürfte sie es zumindest in die Stichwahl schaffen. «Wenn ich es nicht in die zweite Runde schaffe, höre ich auf», sagte sie vor einigen Monaten. Alles oder nichts, heißt nun also ihre Devise.

Seit die blonde Anwältin mit der tiefen Stimme Anfang 2011 von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen die Parteispitze übernahm, hat sie den Front National zu einer Reihe von Wahlerfolgen geführt. Unter ihr wurden die Rechtsextremen bei den Europawahlen 2014 erstmals stärkste Kraft in Frankreich.

Streit mit dem Vater

Damit ist ihre Strategie einer «Entteufelung» der Partei augenscheinlich aufgegangen: Die Parteichefin will der Front National mit einer Abkehr von den antisemitischen und offen rassistischen Parolen ihres Vaters ein respektableres Image verpassen und so neue Wähler gewinnen.

Sie scheute nicht einmal davor zurück, den FN-Gründer aus der Partei zu werfen, als er erneut die NS-Gaskammern als «Detail» der Geschichte bezeichnete. Dabei hat die 47-Jährige politisch ganz ähnliche Ansichten wie ihr Vater: An dem ausländer- und islamfeindlichen Kurs der Partei hält sie fest, sie setzt auf Nationalismus, lehnt die EU und den Euro ab und befürwortet die Todesstrafe.

Ein Gerichtsurteil erwartet

Und auch harte Parolen sind ihr nicht fremd: Weil sie vor einigen Jahren muslimische Gebete in der Öffentlichkeit mit der NS-Besatzung verglich, wurde ihr im Oktober der Prozess gemacht, das Urteil wird bald gesprochen.

Auch nach den Anschlägen vom 13. November wetterte die zwei Mal geschiedene Mutter von drei Kindern gegen Muslime, warnte vor einer «Islamisierung» Frankreichs. Wenn Frankreich sich nicht wehre, sagte sie bei einer Wahlkampfveranstaltung, werde eines Tages «die Scharia unsere Verfassung ersetzen».

Marine Le Pen spricht nach ihrem Wahlsieg zu ihren Wählern.

(L'essentiel/afp)

Haushoher Sieg des FN in Ostfrankreich

Nach den amtlichen Ergebnissen des französischen Innenministeriums von Montag erreichte die Partei von Marine Le Pen in der Großregion Elsass-Lothringen-Champagne-Ardenne 36,6 Prozent. Ihr Spitzenkandidat Florian Philippot sprach von einer «neuen Hoffnung» für die Region.

Mit 28 Prozent auf dem ersten PlatzIn der ersten Runde der Regionalwahlen in Frankreich ist die rechtsextreme Partei Front National (FN)mit etwa 28 Prozent der Stimmen auf dem ersten Platz gelandet. Das gab das französische Innenministerium am Montagmorgen bekannt.Die konservativ-bürgerliche Opposition um den früheren Staatschef Nicolas Sarkozy folgt mit rund 27 Prozent. Die regierenden Sozialisten von Präsident François Hollande landen demnach mit etwa 23,5 Prozent deutlich auf dem dritten Platz.Für die FN von Marine Le Pen ist es das beste Ergebnis ihrer Geschichte bei einer landesweiten Wahl. Den Angaben zufolge landete die Partei bei der Wahl am Sonntag in mindestens sechs der 13 französischen Regionen auf dem ersten Platz. Wer in den Regionalparlamenten künftig die Mehrheit hat, wird aber erst in der zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag entschieden.Sozialisten und Konservative könnten nun theoretisch gemeinsam versuchen, der FN in der zweiten Runde den Weg zu verbauen. Beide Parteien müssten dazu ihre Listen zusammenlegen - oder eine Partei müsste zugunsten der anderen ihre Liste zurückziehen.Die konservativen Republikaner lehnten ein solches Vorgehen aber noch am Wahlabend ab. Die Sozialisten kündigten hingegen an, ihre Wahllisten in zwei Regionen zurückzuziehen - auch wenn dies bedeute, dass die Partei in den kommenden Jahren nicht in den dortigen Parlamenten vertreten sei.Parteichefin Le Pen bezeichnete die FN in einer ersten Reaktion als «erste Partei Frankreichs». «Wir sind dazu berufen, die nationale Einheit zu erreichen, die das Land braucht», sagte die 47-Jährige. (sda)

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