Ukraine: Erstem russischen Soldaten wird wegen Vergewaltigung der Prozess gemacht
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UkraineErstem russischen Soldaten wird wegen Vergewaltigung der Prozess gemacht

Der Prozess von Michail Romanow dürfte nur der erste von Dutzenden Fällen sein, in denen russische Soldaten ukrainische Zivilistinnen vergewaltigt haben sollen. Der Beschuldigte selbst wird nicht anwesend sein.

von
Benedikt Hollenstein
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Michail Romanow soll im März in ein Haus bei Kiew eingebrochen sein, dort einen Mann getötet und anschließend dessen Frau wiederholt vergewaltigt haben.

Michail Romanow soll im März in ein Haus bei Kiew eingebrochen sein, dort einen Mann getötet und anschließend dessen Frau wiederholt vergewaltigt haben.

Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine
Es dürfte der erste von vielen Prozessen sein. Trotzdem sollen die bisher gemeldeten Fälle laut der EU-Offiziellen Pramila Pratten nur die Spitze des Eisbergs sein.

Es dürfte der erste von vielen Prozessen sein. Trotzdem sollen die bisher gemeldeten Fälle laut der EU-Offiziellen Pramila Pratten nur die Spitze des Eisbergs sein.

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Laut der Chefanklägerin Iryna Wenediktowa wisse man derzeit nicht, wo sich Romanow aufhalte.

Laut der Chefanklägerin Iryna Wenediktowa wisse man derzeit nicht, wo sich Romanow aufhalte.

Reuters

In der Ukraine startet ein erster Prozess um einen russischen Soldaten, der der Vergewaltigung einer ukrainischen Frau während der Invasion beschuldigt wird. Der Angeklagte Michail Romanow, der beim Prozess nicht anwesend sein wird, soll im März in ein Haus unweit der Hauptstadt Kiew eingebrochen sein. Dort, so die Anklage, habe der 32-Jährige einen Mann umgebracht und danach dessen Frau wiederholt vergewaltigt, während er die Kinder des Paares bedrohte.

«Spitze des Eisbergs»

Der Fall dürfte nur der Beginn einer ganzen Reihe von Prozessen sein, in denen russischen Soldaten Vergewaltigung vorgeworfen wird. Laut der ukrainischen Regierung untersuche man derzeit Tausende mutmassliche Kriegsverbrechen. Die EU-Offizielle Pramila Pratten sagte nach einem Besuch des Kriegsgebiets anfangs Juni: «Die Vergewaltigungsfälle, die derzeit untersucht werden, bilden nur die Spitze des Eisbergs», so Pratten. Sexuelle Gewalt zähle zu den «verstecktesten» Verbrechen, die EU-Sonderbeauftragte für sexuelle Gewalt in Konflikten ermutigt die Opfer deshalb, an die Öffentlichkeit zu treten.

Derzeit ist noch nicht klar, wer den angeklagten Romanow beim Prozess, der hinter geschlossenen Türen stattfindet, vertreten wird. «Wir wissen nicht, wo er ist – vielleicht kämpft er noch, vielleicht ist er in Russland im Urlaub, vielleicht ist er tot. Wir wissen es nicht, aber wir werden ihn strafrechtlich verfolgen», sagt die Chefanklägerin Iryna Wenediktowa gegenüber dem «Guardian». Die Ukraine hat im Mai bereits einen 21-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt, der einen wehrlosen Zivilisten getötet hatte.

Lange Liste von Kriegsverbrechen

Seit Beginn der Invasion sieht sich Russland mit einer Vielzahl von Vorwürfen zu möglichen Kriegsverbrechen konfrontiert. Nebst Hunderten Fällen, in denen russische Soldaten Zivilisten vergewaltigt und hingerichtet und private Häuser geplündert haben sollen, wurde dem Kreml auch bereits der Einsatz von verbotenen Waffen wie Phosphorbomben vorgeworfen. 

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