Nach Brand in Kayl: «Es besteht die Gefahr, dass wir am 11. Januar obdachlos werden»

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Nach Brand in Kayl«Es besteht die Gefahr, dass wir am 11. Januar obdachlos werden»

KAYL – Die Wohnungsnot und hohen Preise treffen die Opfer des Brandes in Kayl mit voller Härte: Sie befürchten, im Januar kein Dach über dem Kopf zu haben.

von
Nicolas Martin
Nur eine der sechs betroffenen Familien hat nach unseren Informationen bis jetzt eine dauerhafte Lösung gefunden.

Nur eine der sechs betroffenen Familien hat nach unseren Informationen bis jetzt eine dauerhafte Lösung gefunden.

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Bald ist es einen Monat her, dass in Kayl ein Wohnhaus niederbrannte und ein Kind sein Leben verlor. Für Tom* gleicht die Zeit seitdem einem Spießroutenlauf, seine Familie braucht nämlich eine neue Wohnung. «Wir haben Hilfe bei den Rechnungen bekommen und Ratschläge, wie wir neue Anträge stellen können. Wir kontaktieren Gemeinden, Ämter, Organisationen... Wir sind auf der Suche, aber finden nichts. Am 11. Januar laufen wir Gefahr, auf der Straße zu landen».

Einige Tage war die Familie in einem Hotel untergebracht, danach in Esch/Alzette. Doch diese Möglichkeit wird bald enden. Nur eine der sechs betroffenen Familien hat nach unseren Informationen bis jetzt eine dauerhafte Lösung gefunden. «Ich bin völlig verloren», meint Tom. Vom Fonds du logement und mehren Gemeinden habe es nur negative Rückmeldungen gegeben – zumal die Familie zu sechst ist, was die Auswahl einschränkt, wie Tom erklärt. Oft hieße es, auch bei anderen sei es «dringend». «Ich bin mir bewusst, dass viele Familien Schwierigkeiten haben, eine Wohnung zu finden. Aber ich weiß nicht mehr, was ich tun soll», sagt er.

«Wir suchen aktuell nach Lösungen», gibt das Sozialamt an. «Aber wie die Gemeinde haben wir keinen Wohnraum». Eine große Nachfrage treffe auf ein knappes Angebot. «Selbst Familien mit zwei Mindestlöhnen raten wir regelmäßig, hinter der Grenze zu suchen», vertraut man uns an. Auch Tom sagt, bereits an Belgien oder Frankreich gedacht zu haben. «Aber mein Bruder ist krank und geht in eine spezielle Einrichtung in Luxemburg», erzählt er, «meine Geschwister gehen hier zur Schule». Da er und sein Vater arbeiteten, sei es schwierig, sie von außerhalb dort hinzubringen. Zudem hänge die Familie an Luxemburg. «Wir leben seit unserer Kindheit in hier und würden gerne bleiben».

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In der Nacht zum 6. Dezember machte ein ausgebrochenes Feuer eine Wohnanlage unbewohnbar. Ein Junge ist später infolge einer Rauchvergiftung verstorben.

In der Nacht zum 6. Dezember machte ein ausgebrochenes Feuer eine Wohnanlage unbewohnbar. Ein Junge ist später infolge einer Rauchvergiftung verstorben.

L'essentiel/Marion Mellinger
Die Unterbringung in Esch/Alzette der Opfer des Brandes in Kayl wurde um 15 Tage verlängert.

Die Unterbringung in Esch/Alzette der Opfer des Brandes in Kayl wurde um 15 Tage verlängert.

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Zwar sei die Gemeinde für die provisorische Notunterkunft zuständig, sagt Jean Weiler, Bürgermeister von Kayl, aber eine «Wunderlösung» gebe es für das Problem leider nicht. Man könne zwar «vermitteln, aber nicht an die Stelle einer Immobilienagentur treten». Es gebe schlicht keinen Bestand. «Ich habe einen Appell an die Eigentümer gerichtet, damit keine Wohnungen frei bleiben», so Weiler. «Die vier temporären Unterkünfte, über die die Gemeinde verfügt, sind belegt».

Die bestehenden Pläne für erschwingliche Wohnungen sind aktuell keine Lösung: «Die werden nicht morgen fertig sein», so der Bürgermeister. Bei der Gemeinde seien Wohnungsangebote eingegangen, die an das Sozialamt weitergeleitet worden seien – jedoch zu Preisen, die sich die Betroffenen nicht leisten können, wie er einräumt. Jean Weiler konnte am Dienstag nicht garantieren, «dass Familien am 11. Januar nicht auf der Straße stehen werden». Sicher sei aber, dass die Kinder das Jahr in der Schule, in der sie eingeschrieben sind, beenden können, auch wenn sie anderswo untergebracht werden.

Dass die Notunterkunft verlängert wird, scheint fraglich, denn solche sind in der Regel nur für kurze Zeit vorgesehen. «Wir werden eine Lösung finden müssen», so das Sozialamt.

*Name geändert

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