Cannabis in Rheinland-Pfalz – «Es gehört wohl zum Chillen dazu, dass man raucht»

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Cannabis in Rheinland-Pfalz«Es gehört wohl zum Chillen dazu, dass man raucht»

MAINZ - Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) hat sich über den zunehmenden Konsum von Cannabis bei Jüngeren besorgt gezeigt.

Das Kiffen wird bei Jugendlichen immer beliebter.

Das Kiffen wird bei Jugendlichen immer beliebter.

DPA

Wie hat sich der Konsum von Cannabis bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bundesweit entwickelt?
Bätzing-Lichtenthäler: Cannabis ist die einzige Droge, bei der wir einen Anstieg beim Konsum haben. Bei den 18- bis 25-Jährigen haben 37 Prozent bundesweit mindestens einmal im Leben Cannabis ausprobiert, bei den 12- bis 17-Jährigen sind es zehn Prozent. Der Konsum ist gestiegen, obwohl es insgesamt weniger Raucher gibt. Das macht mir schon Sorgen. Gerade deswegen ist es wichtig, mit der Prävention weiterzumachen.

Frage: Wie erklären Sie sich, dass Cannabis offensichtlich beliebter wird, obwohl der Trend beim Rauchen rückläufig ist?
Es gehört offensichtlich zum Chillen dazu, dass man mitraucht. Aber Cannabis ist viel gefährlicher geworden. Die Werte des Inhaltsstoffes THC sind höher als früher und die Wirkung ist deutlich intensiver. Jugendliche denken sich, sie machen nichts Schlimmes, weil zehn Gramm Eigenbedarf erlaubt seien. Bis zu dieser Höhe kann von einer Strafverfolgung abgesehen werden - aber das bedeutet nicht, dass man beim Fahren nach Cannabiskonsum nicht den Führerschein abgeben muss. Ich rate Jugendlichen: Guckt aufeinander, auch in den Schulklassen, und sprecht darüber, auch wenn der erste Schritt vielleicht schwerfällt.

Frage: Die Fraktionen von SPD und Grünen in der Bremer Bürgerschaft wollen den Konsum von Cannabis legalisieren. Wäre eine Freigabe aus Ihrer Sicht sinnvoll?
Ich halte nichts davon, Cannabis zu legalisieren. Das wäre eine Verharmlosung der Droge und würde sie noch gefährlicher machen. Was wir davon abgrenzen müssten, ist Cannabis in der Medizin. Es gibt Erkrankungen, bei denen ein Einsatz sinnvoll und notwendig ist.

ZUR PERSON: Die Westerwälderin war von 2002 bis 2014 Bundestagsabgeordnete, von 2005 bis 2009 Bundesdrogenbeauftragte. Seit 2014 ist sie Gesundheitsministerin in Rheinland-Pfalz. Die gelernte Diplom-Verwaltungswirtin ist verheiratet und hat zwei Kinder.

(L'essentiel/dpa)

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