Amoklauf in Heidelberg – «Es ist fake – ich bin nicht der Amokläufer»
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Amoklauf in Heidelberg«Es ist fake – ich bin nicht der Amokläufer»

Kurz nachdem ein 18-Jähriger an der Uni Heidelberg mehrfach auf Studierende schoss, kursiert ein Foto von Tobias Ludloff im Netz. Er soll der Täter sein, heißt es.

Ein Troll hat den Mann im Netz als Amokläufer dargestellt.

Ein Troll hat den Mann im Netz als Amokläufer dargestellt.

Bis am Montagmittag war die Welt für Tobias Ludloff noch in Ordnung. Er war bei der Arbeit, als überraschend sein Handy anfing, zu bimmeln. «Plötzlich habe ich auf Instagram ganz viele Anfragen bekommen. Fremde Leute wollten mir Nachrichten schicken», erzählt Ludloff dem «Stern». Einige fragten, ob er der Typ sei, der in Heidelberg um sich geschossen hatte. Erst als Ludloff die News sah, realisierte er, was gerade vor sich ging: Er wurde im Netz für den Amokläufer gehalten.

Von einem Nutzer erhielt Ludloff ein altes Bild von ihm zugeschickt. Darauf posiert er in Tarnkleidung mit einer Langwaffe. Ludloff ist Schauspieler und das Foto entstand während Dreharbeiten: «Ich spiele in einer postapokalyptischen Serie mit, die auf Youtube zu sehen sein wird», schrieb der Mann zum Bild. Beim Projekt schlüpfte Ludloff in die Rolle eines Snipers.

Im Post vom Montag stand jedoch neben dem alten Foto eine ganz andere Beschreibung: «Der mutmaßliche Täter will sich als Veganer an den Tieren rächen.» Als Ludloff das sah, habe er zuerst gelacht, in der Meinung, dass sich ein paar Leute einen Scherz erlaubt hätten, erzählt er dem «Stern» weiter. Doch bald wurde es nicht mehr lustig, denn die Sache blieb nicht bei einem einzigen Post eines Twitter-Trolls.

Twitter-Nutzer sprach schon in der Vergangenheit schlecht von Ludloff

Immer mehr Leute schrieben Ludloff an. «Plötzlich hatte meine Facebook-Story 5000 Aufrufe, und ich wurde mit Kommentaren überflutet», sagt er. «Alte Bekannte, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, und Freunde von Freunden, haben mich angeschrieben.» Was er in Heidelberg angestellt habe, fragten sie Ludloff.

Dem Schauspieler verschlug es die Sprache, er spürte «extrem großes Herzrasen». Sein erster Gedanke: «Ich muss jetzt sofort die Polizei rufen, nicht, dass die bei mir die Bude stürmen.» Als nächstes machte er ein Video, in dem er die Situation klarstellte. «Es ist fake. Ich bin nicht der Amokläufer», sagte er darin. Er erhalte Hasskommentare und Beschimpfungen, hieß es im Video. Er habe nun die Polizei gerufen und werde Anzeige erstatten.

«Es war das reinste Chaos»

Ludloff habe unter sehr viel Druck gestanden, wie er selber am nächsten Tag berichtet. Die schlimmsten Beiträge habe er gelöscht, «aber es war das reinste Chaos». Ob der Vorfall einen Bezug auf seine Rolle als Aktivist in der Veganer-Szene zu tun hat oder der Tatsache, dass er an Asperger-Syndrom leidet, kann Ludloff nicht sagen. «Ich zwinge Veganismus keinem auf», sagt der Mann. «Aber dass man mich so wegen meines Veganismus oder dem Autismus anfeindet, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.»

Der Twitterer, der am Montag unter dem Namen «Der letzte gute User» Tobias Ludloff fälschlicherweise beschuldigte, der Amokläufer von Heidelberg zu sein, soll laut Recherchen von RTL und Stern bereits im Januar versucht haben, den Namen des Schauspielers zu diskreditieren. Der Account wurde inzwischen gelöscht. Ludloff gibt an, diesen User nicht zu kennen.

Als seine Freunde, Bekannte und Follower seine Insta-Story mit der Klarstellung sahen, reagierten viele beruhigt, sagt Ludloff. Einige sprachen ihm ihr Beileid aus. «Viele schrieben mir ‹Hey Tobi, lass dich nicht unterkriegen. Bleib stark›.»

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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