Restitutionsabkommen – «Es ist Zeit, die Fehler Luxemburgs anzuerkennen»
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Restitutionsabkommen«Es ist Zeit, die Fehler Luxemburgs anzuerkennen»

LUXEMBURG – Am Mittwoch hat der Premierminister ein historisches Abkommen mit der Jüdischen Gemeinde unterzeichnet. Das Land will für Wiedergutmachung und Aufarbeitung sorgen.

Eine Gedenkstätte am Kloster Fünfbrunnen für die Opfer des Holocaust im Juli 2019.

Eine Gedenkstätte am Kloster Fünfbrunnen für die Opfer des Holocaust im Juli 2019.

Editpress/Ben Pfeiffer

Am Mittwochnachmittag haben Luxemburg und die Jüdische Gemeinde ein Abkommen zur Entschädigung wegen Verbrechen und Enteignungen, die während der NS-Zeit im Großherzogtum begangen wurden, unterzeichnet. Nicht ganz zufällig fiel der Termin wohl auf den Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, auch wenn der Zeitpunkt fast 80 Jahre danach etwas spät erscheinen mag. «Es war an der Zeit, die Fehler zu erkennen, die die Führung des Landes an einer Gemeinschaft begangen hat», erklärte Premierminister Xavier Bettel (DP) den Schritt.

Luxemburg müsse seine Geschichte, Vergangenheit und seine Verantwortung kennen und erkennen, so die Worte des Premiers. Um einen Ort des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und ein Mahnmal für kommende Generationen zu schaffen, will Luxemburg unter anderem das Kloster Fünfbrunnen kaufen und renovieren. Das Kloster war damals ein jüdisches Sammellager. Von dort wurden die luxemburgischen, jüdischen NS-Opfer in Konzentrationslager deportiert. Das Projekt werde geschätzt 25 Millionen Euro kosten. «Diese Fehler verdienen nicht nur eine Wiedergutmachung, sondern auch eine Entschuldigung», sagte Bettel – auch wenn die Vereinbarung kein Leid rückgängig machen könne.

« Es war wichtig, diese Vereinbarung zu unterzeichnen »

Außerdem will das Großherzogtum die Arbeit in den nationalen Archiven vorantreiben und eine unabhängige Forschung etablieren, um die Rolle Luxemburgs während der Besatzung weiter zu ergründen. Ebenso sollen Bankkonten, Schließfächer und Versicherungspolicen, die bis dato als besitzlos gelten und aus Enteignungen jüdischen Besitzes stammen, den Opfern oder Familien zurückgegeben werden. Die Fondation pour la mémoire de la Shoah soll die nächsten 30 Jahre jährlich mit 120.000 Euro unterstützt werden.

«Es war sehr wichtig, diese Vereinbarung zu unterzeichnen», urteilte der Premier. «Wir sind stolz darauf, in einem Land zu leben, in dem wir uns in unserer Kultur oder Religion unterscheiden, aber alle gleich viel wert sind.» Das Abkommen sei notwendig um eine offene und tolerante Gesellschaft im Land zu erhalten.

(mei/L'essentiel)

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