Arbeitsrecht – «Es kommt auf die Kulanz des Chefs an»

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Arbeitsrecht«Es kommt auf die Kulanz des Chefs an»

LUXEMBURG – Wie sollen sich Beschäftigte verhalten, wenn sie auf vereisten Straßen feststecken und viel zu spät oder gar nicht zur Arbeit kommen. «L’essentiel Online» hat nachgefragt.

«So ein Schneechaos wie am Mittwochabend oder Donnerstagmorgen kann man ohne Zögern als ‚Höhere Gewalt‘ bezeichnen. Da gibt es einige Grundregeln zu beachten», erklärt Viviane Jeblick, verantwortlich für die Arbeitnehmerberatung bei der Gewerkschaft OGBL.

Die erste Regel für alle Autofahrer, die auf dem Weg zur Arbeit im Schneechaos stecken bleiben, liegt auf der Hand: «Sofort dem Chef Bescheid sagen, wenn es der Handy-Empfang denn erlaubt», rät Viviane Jeblick. In solchen Fällen wie am Donnerstag sollte ja jeder für eine kleine Verspätung Verständnis haben und so könnten Beschäftigte direkt mit ihrem Vorgesetzten besprechen, wie sie sich verhalten sollen.

Nacharbeiten oder Urlaubstag?

Doch: Der Weg zur Arbeit ist nicht das Problem des Chefs. Selbst Angestellten, die noch bis spät in der Nacht feststecken, rät Jeblick deshalb, frühzeitig loszufahren, um einigermaßen pünktlich auf der Arbeit zu sein. «Man sollte alles versuchen und dann lieber umkehren, wenn es nicht mehr geht.»

Wie ein Unternehmen mit verspäteten Beschäftigten umgeht, «kommt ganz auf die Kulanz des Vorgesetzten an», weiß die OGBL-Beraterin. «Auch wenn die Person nichts für ihre Verspätung kann, ist es möglich, dass sie die Stunden ihrer Abwesenheit nacharbeiten muss oder nicht bezahlt wird. Andere Unternehmen ziehen beim Fehlen eines Mitarbeiters auch einen Urlaubstag ab und haben dazu durchaus das Recht.» Nur in wenigen Kollektivverträgen sei eine Lohnfortzahlung bei der Abwesenheit wegen «Höherer Gewalt» vorgeschrieben.

Zeitungsartikel verwahren

Fehlen oder verspätet sein bei Schneechaos ist jedoch in keinem Fall Grund für Kündigung oder Verwarnung. «In Unternehmen, in denen es sowieso schon kriselt, rate ich den Beschäftigten einen Zeitungsartikel über das Schneechaos zu verwahren, damit sie sich genau an das Datum erinnern.»

Damit könnten sie auch nachweisen, dass sie keine Schuld treffe, wenn es im Nachhinein Probleme geben sollte. «Bei den CFL oder anderen Eisenbahngesellschaften gibt es bei Verspätungen Bescheinigungen, die als Rechtfertigung anerkannt werden.»

(sb/L'essentiel Online)

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