Nach dem Anschlag – Eskalation und Massenflucht in Syrien

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Nach dem AnschlagEskalation und Massenflucht in Syrien

Die Gewaltspirale in Syrien dreht sich nach dem Anschlag auf die Assad-Vertrauten immer schneller. Im UNO-Sicherheitsrat scheiterte eine weitere Syrien-Resolution.

Die Hoffnung des Westens erlosch so schnell, wie sie aufgeflammt war: Im UNO-Sicherheitsrat scheiterte am Donnerstag eine weitere Syrien-Resolution. Zum dritten Mal haben Russland und China mit ihrem Veto ein entschiedeneres Vorgehen des Sicherheitsrates gegen Damaskus verhindert.

Dabei wäre ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft in Syrien derzeit nötiger denn je. Nach dem Anschlag auf die engsten Vertrauten von Syriens Präsident Baschar al-Assad ist der Bürgerkrieg weiter eskaliert. Die Gefechte konzentrierten sich am Donnerstag auf die Hauptstadt Damaskus.

Immer mehr Menschen auf der Flucht

Nach Angaben von Aktivisten wurden die Regimegegner in Damaskus aus der Luft mit Maschinengewehren und Raketen beschossen. Betroffen waren vor allem die Viertel Al-Messe, Al-Kabun und Al-Midan. Bewohner der Hauptstadt berichteten von Kämpfen in Sichtweite des Präsidentenpalastes und des Regierungsviertels.

Ein Vertreter der Sicherheitsdienste sagte, die «extrem heftigen Gefechte» würden noch zwei Tage andauern, um Damaskus vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan «von Terroristen zu säubern». Bislang hätten sich die Truppen «zurückgehalten», aber nach dem Anschlag vom Mittwoch sei die Armee «entschlossen, alle in ihrem Besitz befindlichen Waffen zur Anwendung zu bringen», sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Landesweit starben nach Angaben der sogenannten Revolutionskomitees mehr als 70 Menschen, davon etwa 30 in Damaskus. Und immer mehr Menschen fliehen aufgrund der Gewalt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von einer beginnenden Massenflucht in mehreren Stadtteilen.

Seit Beginn des Konflikts vor 16 Monaten haben rund eine Million Menschen ihre Wohngebiete verlassen müssen. Dies geht gemäss dem UNO- Flüchtlingshilfswerk UNHCR aus neuen Angaben des Syrischen Arabischen Halbmondes hervor.

Aufenthaltsort des Präsidenten unbekannt

Unsicher ist, ob auch Präsident Assad geflohen ist. Nach dem Anschlag am Mittwoch, bei welchem drei seiner engsten Vertrauten getötet worden waren, gab es keine gesicherten Angaben über seinen Aufenthaltsort. Er soll sich aber weiterhin in Syrien aufhalten.

Nach Angaben eines Beraters hält sich Assad im Präsidentenpalast in Damaskus auf. Das syrische Fernsehen zeigte am Donnerstag Bilder der Vereidigungszeremonie für den neuen Verteidigungsminister Fahd Dschasim al-Fredsch. Wo die Zeremonie jedoch stattfand, war nicht ersichtlich.

Regimegegner hatten am Mittwochabend gemeldet, die Präsidentenmaschine sei vom Militärflughafen Messe aus in Richtung der syrischen Hafenstadt Latakia gestartet. Aus Sicherheitskreisen verlautete jedoch, dass nur die Mutter und die Schwester des Präsidenten abgereist waren.

Die Assad-Familie stammt aus Kardaha oberhalb von Latakia. Beobachter hatten in den vergangenen Monaten spekuliert, die Führung könnte sich, wenn Damaskus fällt, in eine Art alawitischen Kleinstaat zurückziehen, der die Städte Latakia, Tartus und die Berge im Hinterland umfasst.

(L'essentiel Online/sda)

Rebellen besetzen Grenzposten

Syrische Regimegegner haben am Donnerstag nach Angaben der Opposition drei Grenzposten überrannt. Die Muslimbruderschaft teilte mit, «Revolutionäre» hätten zwei Grenzübergänge zur Türkei unter ihre Kontrolle gebracht sowie einen Übergang an der Grenze zum Irak. Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete, die Rebellen hätten den syrisch-irakischen Grenzübergang bei Al-Bukamal gestürmt, der in der Provinz Deir as-Saur liegt. Der Nachrichtensender Al-Arabija zeigte Kämpfer, die am Grenzübergang Bab al-Haua zur Türkei Bilder von Präsident Baschar al-Assad und seinem Vater Hafis von den Wänden rissen. Nach türkischen Angaben gab es Kämpfe an der Grenze.

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