Europa-Vergleich – EU-Mindestlöhne steigen - der in Luxemburg nicht

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Europa-VergleichEU-Mindestlöhne steigen - der in Luxemburg nicht

LUXEMBURG/DÜSSELDORF – 19 europäischen Staaten haben ihre Mindestlöhne in den vergangenen Monaten teils kräftig angehoben – nur drei Länder bilden eine Ausnahme.

Der soziale Mindestlohn in Luxemburg liegt derzeit bei 1998,59 Euro – Gewerkschafter und die LSAP halten diesen Betrag für zu niedrig.

Der soziale Mindestlohn in Luxemburg liegt derzeit bei 1998,59 Euro – Gewerkschafter und die LSAP halten diesen Betrag für zu niedrig.

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Nirgends in der Europäischen Union wird ein höherer Mindestlohn bezahlt als in Luxemburg – das bestätigt eine aktuelle Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Hierzulande liegt die gesetzliche Lohnuntergrenze derzeit bei 11,55 Euro pro Stunde.

In Deutschland beträgt der Mindestlohn 8,84 Euro pro Stunde – laut den Forschern des WSI gebe es im Nachbarland «großen Nachholbedarf». Im Vergleich mit anderen westeuropäischen Staaten liegt die Bundesrepublik nämlich eher im unteren Bereich. In Belgien müssten etwa mindestens 9,47 Euro gezahlt werden, in den Niederlanden 9,68 Euro und in Frankreich 9,88 Euro.

Gesetzliche Mindestlöhne in EuropaInfogram

Arbeitnehmer können sich weniger leisten

Mindestlöhne gibt es dem Institut zufolge in 22 der 28 EU-Staaten. In 19 davon seien sie zum 1. Januar 2018 oder in den Monaten zuvor erhöht worden – im Mittel nominal (ohne Berücksichtigung der Inflation) um 4,4 Prozent. Nur drei Staaten verharren auf dem selben Niveau: Deutschland, Griechenland – und Luxemburg.

Laut Angaben der WSI-Forscher konnten sich Arbeitnehmer in den drei Ländern, in denen der Mindestlohn nicht erhöht wurde, weniger leisten als noch vor einem Jahr: In Griechenland betrug der Reallohnverlust 1,1 Prozent, in Deutschland 1,7 Prozent und in Luxemburg 2,1 Prozent.

Diskussion um Mindestlohn in Luxemburg

Im Großherzogtum gilt der aktuelle Satz seit dem 1. Januar 2017. In den vergangenen Monaten ist hierzulande der Ruf nach einer Mindestlohnerhöhung laut geworden. Die Gewerkschaft OGBL fordert eine zehnprozentige Erhöhung des Mindestlohns, da dieser momentan für viele Arbeitnehmer nicht ausreiche, um ihre «lebenswichtige Bedürfnisse abzudecken». Unterstützung erhielt der Vorstoß von der LSAP. Arbeitsminister Nicolas Schmit erklärte vergangenen November, dass eine Mindestlohnerhöhung «kein Tabuthema» sein dürfe.

Die anderen Parteien und auch die Unternehmensverbände lehnen die Forderung jedoch – mal mehr, mal weniger deutlich – ab. Jean-Jacques Rommes von der Union des Entreprises Luxembourgeoises erklärte, dass ein höherer Mindestlohn weniger den Luxemburgern oder den hier ansässigen Beschäftigten, sondern vielmehr besser qualifizierten Grenzgängern zugute kommen würde – die «froh sind, für diesen Lohn nach Luxemburg arbeiten zu kommen».

(jt/dpa/L'essentiel)

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