Millionendeals für junge Wilde – Europa jagt vier Super-Belgier
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Millionendeals für junge WildeEuropa jagt vier Super-Belgier

Sie sind jung, talentiert und äußerst gefragt: Die Großklubs der europäischen Fußballwelt buhlen um vier belgische Shootingstars und lassen deren Klubs vom Millionensegen träumen.

Belgiens glorreiche Fußballzeit liegt ein Weilchen zurück. Bei den Europameisterschaften wurde die Biernation einmal Dritter (1972) und einmal Zweiter (1980), bei den Weltmeisterschaften 1986 verlor man das Spiel um Platz 3 gegen die Niederlande in der Verlängerung. Eric Gerets, Franky van der Elst, Enzo Scifo oder Michel Preud’homme und Jean-Marie Pfaff hießen die Stars damals. Der Glanz vergangener Tage beim Königlichen belgischen Fußballbund KBVB ist in der Zwischenzeit weg. Die letzte EM-Teilnahme (mit Ausnahme der Heim-EM 2000) liegt 18 Jahre zurück, bei der letzten WM waren die Belgier im Jahre 2002 (Achtelfinale).

Jetzt tut sich aber wieder was im kleinen Land. In der EM-Qualifikation liegt man zwar deutlich hinter Leader Deutschland zurück, doch mit der Türkei und Österreich kämpft man um den Barrage-Platz. Hauptgrund dafür: Die jungen Wilden. Axel Witsel, Eden Hazard, Romelu Lukaku und Kevin de Bruyne haben viel gemeinsam. Sie sind jung, Nationalspieler, offensivstark und am Anfang einer womöglich großen Karriere. Diese Vier bringen nicht nur gegnerische Abwehrreihen ins Schwitzen, sondern während dem Transfersommer auch Manager, Sportchefs, Trainer und Finanzmeister der Großklubs.

Eden Hazard

Der 20-jährige Spielmacher ist der vermutlich Bekannteste des Quartetts. Dass Lille erstmals seit 1954 wieder französischer Meister und Cupsieger geworden ist, hängt vor allem auch mit dem «Kobold» zusammen. Der 1,70m kleine Wirbelwind wird überall gelobt. Als «neuer Messi», «Außerirdischer» oder «Genie» wird er von den Medien gepriesen. Selbst Zinedine Zidane soll angetan sein und habe den Belgier Real Madrid wärmstens empfohlen. Neben Real sollen auch Bayern München, Juventus Turin, Arsenal, Chelsea, Manchester United, Atlético Madrid, Inter und Barcelona hinter dem MVP der Ligue 1 2010/11 her sein. Unter 25 Millionen Euro wird er die Franzosen nicht verlassen. Hazard selbst meinte gegenüber «El Mundo Deportivo» zum Interesse Barcelona: «Barça? Hätte ich da überhaupt eine Chance?» Bescheiden ist der 20-Jährige also trotzdem. Dank seinem Tempo, seiner Kreativität und der Technik würde er wohl bestens zu den Katalanen passen. Zu seiner Zukunft meint er nur: «Ich möchte für einen großen Klub spielen. Präferenzen habe ich keine.» Lille meinte er damit kaum.

Axel Witsel

Der älteste im Quartett: Axel Witsel (22). Schon als Junior wurde er von Feyenoord, Arsenal oder Real Madrid gejagt. Er blieb allerdings bei Lüttich. Der Mittelfeldspieler gab mit 17 sein Debüt für die Profis und wurde 2008 und 2009 belgischer Meister. Im ersten Meisterjahr erhielt der damals 19-Jährige gar die Auszeichnung als wertvollster Spieler der Liga. Doch der Mann mit Wurzeln in Martinique musste in seiner jungen Karriere schon einen harten Rückschlag einstecken. Am 30. August 2009 brach er mit einer rüden Attacke Anderlechts Marcin Wasilewski das Schien- und Wadenbein. Erst wurde er drei Monate gesperrt, die Fifa und Uefa wurden eingeschaltet. Dann reduzierte sich die Sperre auf acht Spiele. Witsel litt mental praktisch das ganze Jahr unter den Folgen des Fouls. In dieser Saison trumpfte der Lockenkopf aber wieder groß auf und der 22-Jährige betonte in den letzten Wochen mehrmals, dass er bereit sei für den nächsten Schritt. Dieser könnte trotz Interesse von Arsenal und Manchester United zu Milan führen. Ein Angebot der Rossoneri habe es schon gegeben. Lüttichs Vize-Präsident Luciano D'Onoforio meinte dazu: «Die angebotene Ablösesumme ist für uns nicht akzeptabel.» Gemunkelt wird, dass Witsel nicht unter 15 Millionen Euro aus Belgien weggeht.

Romelu Lukaku

Mit 18 Jahren ist der Stürmer Anderlechts das Küken des Quartetts. Torschützenkönig und Meister in Belgien war er schon 2009/2010, in dieser Saison traf der Mann mit kongolesischen Wurzeln in 50 Partien 20 Mal. Der 1,91-Meter-Hüne gilt als sehr durchschlagekräftig, kopfballstark und extrem schnell. So wird er bereits als «neuer Drogba» gelobt. Das hat allerdings noch einen weiteren Grund: Ein Wechsel zu Chelsea schien fast nur noch Formsache. Am Pfingstwochenende hätte dieser über die Bühne gehen sollen, wurde spekuliert. Jetzt meldet Lukaku auf seinem Facebook-Profil: «Ich habe in den letzten Tagen viel über mich gelesen. Einige Journalisten erzählen Dinge, welche nicht stimmen. Bitte respektiert, dass mein aktueller Fokus auf meiner Untersuchung liegt.» Lukaku verpasste wegen einer Verletzung das letzte Länderspiel Belgiens gegen die Türkei. Danach wolle er Ferien machen und dann mit Anderlecht wieder das Training aufnehmen. Anderlechts Manager Herman van Holsbeeck glaubt gegenüber der «Gazet van Antwerpen» nicht, dass der Stürmer, welcher mit 16 Jahren seinen ersten Profivertrag unterschrieb, in Belgien bleibt: «Er wird sicher gehen. Ich weiß nicht, ob es Chelsea sein wird, da sind viele Klubs interessiert und wir sind am verhandeln.» Diese anderen Klubs dürften unter anderem Real Madrid, Manchester City und Inter Mailand sein. Unter 24 Millionen Euro dürfte der Wechsel nicht stattfinden.

Kevin de Bruyne

Und wenn wir schon von Lukaku und Chelsea sprechen, dann darf Kevin de Bruyne nicht fehlen. Der Mittelfeldspieler vom belgischen Meister Genk sei bei den Londonern ebenfalls ein Thema. Erst gab es Gerüchte von einer Doppelverpflichtung von 38 Millionen Euro für De Bruyne und Lukaku, dann von einem Tauschgeschäft. Anderlecht lasse Lukaku zu Chelsea ziehen, falls die Blues gleichzeitig De Bruyne kaufen und den 19-Jährigen an Anderlecht ausleihen würden. «Diese Gerüchte sind Müll», erklärte Lukakus Manager Christophe Henrotay. Chelsea sei aber am Blondschopf interessiert. Und auch bei De Bruyne könnte man noch eine ganze Handvoll europäischer Topklubs als Interessenten aufzählen.

Das Horrorfoul von Axel Witsel:

L'essentiel Online/Reto Fehr

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