Gegen US-Platzhirsche – Europa kriegt eine Rating-Agentur

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Gegen US-PlatzhirscheEuropa kriegt eine Rating-Agentur

Die Dominanz der US-Rating-Agenturen soll gebrochen werden: Deshalb wird im April Konkurrenz aus Europa auf den Plan treten.

Europa soll eine eigene Rating-Agentur erhalten. (Bild: Keystone/Oliver Berg)

Europa soll eine eigene Rating-Agentur erhalten. (Bild: Keystone/Oliver Berg)

Wenn der Frühling kommt, werden in Amsterdam Ratings geschrieben: 30 Investoren, bestehend aus Banken, Versicherungen und Börsen, haben sich bislang bereit erklärt, dafür rund 300 Millionen Euro an Kapital zur Verfügung zu stellen.

Ziel ist es, im zweiten Quartal 2012 eine privatfinanzierte, nicht gewinnorientierte Stiftung zu gründen», lässt sich Markus Krall, Partner bei Roland Berger, von der Wirtschaftszeitung «Euro am Sonntag» zitieren. Die Unternehmensberatung hat das Konzept zur europäischen Rating-Agentur auf die Beine gestellt.

Ackermann: «Agentur muss unabhängig sein»

Der Staat soll laut Krall bei der Finanzierung außen vor bleiben; denn eine Unterstützung durch Steuergelder könnte «die Frage nach der Unabhängigkeit der Agentur aufwerfen». Genau in diesem Punkt eckt die künftige Stiftung jedoch schon jetzt an: «Einige wenige Banken in Europa können eine solche Agentur nicht gründen, da sie unabhängig sein muss», so Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank zur Nachrichtenagentur DPA.

Die neue Rating-Agentur soll im Unterschied zur US-Konkurrenz mit einer Haftung für den Fall von Fehlern versehen werden. «Momentan sind Ratings juristisch reine Meinungen und unterliegen keiner Produkthaftung», so Krall.

(L'essentiel Online)

Kritik der Euro-Länder an US-Rating-Agenturen

Mit Moody’s, Fitch und Standard & Poor’s (S&P) dominieren drei US-Agenturen den globalen Rating-Markt. Insbesondere in Europa sind sie wachsender Kritik ausgesetzt: Zuletzt stieß es Politik und Wirtschaft sauer auf, dass S&P auf einen Schlag neun Euro-Staaten schlechtere Noten für ihre Kreditwürdigkeit verpasst hatte.

Ein schlechteres Rating hat zur direkten Folge, dass auf Staatsanleihen höhere Zinsen gezahlt werden müssen. Den Bonitätsprüfern wird zudem vorgeworfen, wegen Fehlbewertungen eine Mitschuld an der Finanzkrise zu haben und die Bemühungen zur Rettung der hoch verschuldeten Euro-Länder zu sabotieren.

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