Rassismusvorwürfe – Europa-Park ersetzt «Dschungel-Floßfahrt»
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RassismusvorwürfeEuropa-Park ersetzt «Dschungel-Floßfahrt»

Die Attraktion im Freizeitpark in Rust steht seit Jahren in Kritik wegen rassistischer Darstellungen. Jetzt wird die Bahn ersetzt. Die Dschungelfahrt passe nicht mehr in die Zeit.

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Die «Dschungel-Floßfahrt» im Europa-Park steht seit Jahren in Kritik.

Die «Dschungel-Floßfahrt» im Europa-Park steht seit Jahren in Kritik.

20min/Matthias Spicher
Die Darstellungen in der Attraktion werden als rassistisch und kolonialistisch kritisiert.

Die Darstellungen in der Attraktion werden als rassistisch und kolonialistisch kritisiert.

Screenshot Europa-Park
Jetzt hat der Europa-Park entschieden, die Bahn zu schließen und durch eine Tiroler Wildwasserbahn zu ersetzen.

Jetzt hat der Europa-Park entschieden, die Bahn zu schließen und durch eine Tiroler Wildwasserbahn zu ersetzen.

imago/Geisser

Schwarze Personen in traditioneller Kleidung, daneben weiße Kolonialherren in beigen Safari-Anzügen und Hüten: So sieht die «Dschungel-Flossfahrt» im Europa-Park aus. Damit ist jetzt Schluss. Der Freizeitpark schließt die Bahn, wie die Nachrichtenagentur dpa schreibt.

Denn die 40 Jahre alte Attraktion steht seit Jahren in Kritik wegen rassistischer Darstellungen. Darum hat der Freizeitpark bereits im vergangenen Jahr unter anderem eine Figur eines Schwarzen ersetzt, der unter einem Affen eine Seilbahn entlangfährt. Zudem wurde der Essensstand von «Colonial Food Station» zu «Adventure Food Station» umbenannt.

Jetzt wird die Dschungelfahrt durch eine neue Bahn ersetzt. Diese werde dem Themenbereich Österreich zugeordnet. «Die Neugestaltung ist seit mehreren Jahren in Planung», sagt Dieter Borer vom Freizeitpark. Corona habe die Pläne aber verzögert.

«Die Dschungel-Floßfahrt ist thematisch veraltet und allgemein ins Alter gekommen», erklärt Borer. So wurde die Attraktion kurz nach der Eröffnung des Europa-Parks 1979 eingeweiht.

Im Rahmen der Gesamtplanung werden zwei weitere Bahnen dauerhaft geschlossen: der «Flug des Ikarus» und der «Traumzeit-Dome». Am 9. Januar, mit Ende der Wintersaison, machen die Attraktionen zu.

Die Ankündigung löst auf Social Media ein großes Echo aus: Auf Facebook hat der Beitrag schon über 400 Kommentare. Viele schreiben, dass sie die Wasserbahn vermissen werden. Eine Frau berichtet sogar, dass sie dort einen Heiratsantrag bekommen hat. Es gibt Verständnis für die Veränderung, viele halten die Schließung wegen rassistischer Darstellungen aber für übertrieben.

Entspricht nicht mehr dem Zeitgeist

Die Rassismus- und Minderheitenrechtsexpertin Doris Angst begrüßt die Schließung der Bahn: «Was Ende der siebziger Jahre dem Zeitgeist entsprach, ist heute nicht mehr angebracht.» In den letzten zwanzig Jahren habe sich in der Aufarbeitung von Kolonialismus und Versklavung viel getan.

«Wir wissen heute über die schädliche Wirkung rassistischer Rollenbilder Bescheid und haben auch gegenüber dem Schutz von Wildtieren eine andere Einstellung», erklärt Angst. Mit der Neuausrichtung auf eine Wildwasserfahrt in Europa überwinde der Freizeitpark auch gleich den früheren europäisch geprägten Blick auf andere Kulturen. «Und das ist gut so!»

Céleste Ugochukwu, Präsident eines Afrikanischen Diaspora-Rats begrüßt die Schließung der Bahn ebenfalls. Er hätte sich aber über eine neue Bahn im Themenbereich Afrika gefreut: «Ich hätte mir eine Attraktion über afrikanische Heldinnen und Helden sowie die verschiedenen Kulturen gewünscht. So könnte man die Leute besser über Afrika informieren.»

(L'essentiel/DPA/bho/Barbara Scherer)

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