Affäre um Freizeitzentrum – Ex-Chef des Nürburgrings will Job zurück

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Affäre um FreizeitzentrumEx-Chef des Nürburgrings will Job zurück

KOBLENZ - Der frühere Chef des Nürburgrings, Walter Kafitz, klagt gegen seine Entlassung. Ihm wurde 2009 wegen Missmanagements gekündigt. Das Land Rheinland-Pfalz wiederum fordert von ihm 8,3 Millionen Euro Schadenersatz.

Das Luftbild zeigt nicht nur die Rennstrecke, sondern auch das neue Freizeitzentrum.

Das Luftbild zeigt nicht nur die Rennstrecke, sondern auch das neue Freizeitzentrum.

dpa

Seit Dezember 2009 ist Walter Kafitz seinen Job als Geschäftsführer der Nürburgring GmbH los. Nun klagt er gegen seine Kündigung. Am Dienstag hat der Prozess in Koblenz begonnen. Kafitz verlangt rund 30 000 Euro Gehalt und will sogar erstreiten, dass sein Vertrag bis 2014 fortbesteht. Das Urteil soll am 3. Mai fallen.

In einem weiteren Rechtsstreit fordert das Land Rheinland-Pfalz von Kafitz 8,3 Millionen Euro Schadensersatz. Der frühere Ring-Boss bezeichnete diese Forderungen als «unberechtigt». Nach dem Skandal um die im Sommer 2009 geplatzte Privatfinanzierung des 330 Millionen Euro teuren Ringausbaus laufen noch immer die Ermittlungen. Etliche Manager - auch Kafitz - sowie der Ex-Finanzminister und frühere Aufsichtsratschef der Nürburgringgesellschaft, Ingolf Deubel, stehen unter anderem unter Verdacht der Untreue und des Betrugs.

Im Frühjahr 2010 hatte sich das Land Rheinland-Pfalz nach vielen Skandalen aus dem Management der Eifel-Rennstrecke zurückgezogen. Der Parcours samt Hotel- und Freizeitanlagen wie einer Achterbahn wird seither von der privaten Nürburgring Automotive GmbH betrieben.

Ein Blick zurück

Diesem Rückzug des Landes waren dubiose Finanzgeschäfte, ein Ministerrücktritt und langwierige Ermittlungen vorangegangen: Mit dem Begriff Nürburgring verbinden die Rheinland-Pfälzer schon lange nicht mehr nur die traditionsreiche Rennstrecke in der Eifel, sondern auch eine «Nürburgring-Affäre». Mit dem neuen Freizeit- und Geschäftszentrum am Ring wollte die SPD-Landesregierung die strukturschwache Region stärken und auch außerhalb der Motorsportsaison für Einnahmen sorgen. Das letztlich rund 330 Millionen Euro teure Großvorhaben war jedoch wegen seiner Ausmaße und Kosten von Anfang an umstritten.

Als der geplante Deal mit privaten Geldgebern platzte und der Eindruck entstand, die Regierung könnte auf Betrüger hereingefallen sein, trat Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) im Juli 2009 zurück. Später stellte sich im Zuge staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen heraus, dass der angeblich milliardenschwere US-Investor nie mehr als 500 Dollar auf dem Konto hatte. Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz, der federführend beim Ausbau war, musste im Dezember 2009 nach 15 Jahren an der Rennstrecke seinen Hut nehmen. Die Kündigung begründete der Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH mit Missmanagement.

Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in der Affäre geht es nun unter anderem um Untreue- und Betrugsvorwürfe gegen Deubel und Kafitz sowie mehrere Manager. Auch gegen den heutigen Ringbetreiber und früheren Investor, Kai Richter, wird in diesem Zusammenhang ermittelt. Mehr als ein Jahr nachdem das Projekt «Nürburgring 2009» eingeweiht wurde, streiten sich Landesregierung und Opposition auch noch in einem Untersuchungsausschuss in Mainz darüber.

(dpa)

Das Projekt Nürburgring 2009

Aus folgenden «Bausteinen» besteht der neue Freizeitpark:

- Boulevard als «überdachte Flaniermeile»

- Veranstaltungsarena für Konzert- und Sportereignisse

- Multimedia-Museum zum Nürburgring und Rennsport

- schnellste Achterbahn der Welt

- Vier-Sterne-Hotel

- Ferienpark bei Drees mit rund 100 Ferienhäusern

- Eifeldorf «Grüne Hölle» mit Hotel und Erlebnisgastronomie

- neue Haupttribüne mit Business Lounge

- Event-Center für Tagungen, Kongresse und Ausstellungen

- Empfangszentrum und Parkhaus

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