Kachelmann-Prozess – Ex-Geliebte kommt doch nicht zu Wort

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Kachelmann-ProzessEx-Geliebte kommt doch nicht zu Wort

Die Anwälte von Fernsehmoderator Jörg Kachelmann haben erneut einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht gestellt. Das mutmassliche Opfer sagte nicht wie vorgesehen aus.

Kachelmann und seine Anwälte sind auf Konfrontationskurs.

Kachelmann und seine Anwälte sind auf Konfrontationskurs.

dpa

Die Anwälte von Fernsehmoderator Jörg Kachelmann wollen den Vergewaltigungsprozess kippen. Mit einem neuen Befangenheitsantrag gegen drei Berufsrichter verzögerten sie am Mittwoch zunächst die Aussage des mutmasslichen Opfers vor dem Mannheimer Landgericht. Kachelmann habe die Besorgnis, dass die Richter der Aussage der Nebenklägerin «nicht mit der gebotenen Distanz und Unparteilichkeit» gegenüberträten, hiess es in dem Antrag. Hätte er Erfolg, würde der Prozess platzen, denn die Kammer hat nur einen Ergänzungsrichter. Die Verteidigung hatte bereits zu Beginn des Prozesses einen Befangenheitsantrag gestellt, der aber abgelehnt worden war.

Die Nebenklägerin - Kachelmanns langjährige Geliebte - beschuldigt den Wettermoderator, sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Kachelmann bestreitet das. Ihre mit Spannung erwartete Aussage zur Sache machte die Frau am Mittwoch wegen der neuen Eingaben der Verteidigung nicht - sie wurde nur zu ihrer Person befragt.

Im Kern kreiden die Verteidiger der Kammer an, dass sie die Frau vor ihrer Aussage nicht über das Zeugnisverweigerungsrecht nach Paragraf 55 der Strafprozessordnung belehrt hatte. Demnach dürfen Zeugen die Aussage verweigern, wenn die Gefahr besteht, dass sie sich selbst belasten und möglicherweise strafrechtlich verfolgt werden.

Kachelmann-Anwalt Reinhard Birkenstock geht von einer Falschaussage der 37-Jährigen aus. Er sagte, eine solche Belehrung dürfe nur unterbleiben, wenn das Gericht die Auffassung vertrete, es sei völlig ausgeschlossen, dass die Zeugin «wegen Vortäuschung einer Straftat, wegen falscher Anschuldigung strafrechtlich verfolgt werden kann». «Daraus kann man ja den Schluss ziehen, dass (...) die abgelehnten Richter, schon bevor sie die Zeugin überhaupt gehört haben, entschlossen sind, ihr zu glauben», erklärte er.

Der Prozess soll am kommenden Montag fortgesetzt werden.

(dpa)

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