Spanischer Drogenskandal – Ex-Mitarbeiter von Dopingarzt erhängt sich

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Spanischer DrogenskandalEx-Mitarbeiter von Dopingarzt erhängt sich

Drama in Spanien: Alberto León, einer der Hauptverdächtigen der «Operación Galgo», beging im Haus seines Bruders Selbstmord. Was ihn zur Verzweiflungstat geführt hat, ist noch unklar.

In diesem Haus bei Madrid wurde Alberto Léon tot aufgefunden

In diesem Haus bei Madrid wurde Alberto Léon tot aufgefunden

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Der frühere Spitzen-Mountainbiker wurde am späten Montagabend im Haus seines Bruders in der Nähe von Madrid erhängt aufgefunden. Offenbar war der 37-jährige Familienvater zu diesem Zeitpunkt schon stundenlang tot. Deshalb haben seine Angehörigen auch nicht den Notarzt, sondern gleich die Polizei verständigt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich um einen Selbstmord handelt.

León stand im Verdacht, in die Affäre «Operación Galgo» um den mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes verwickelt gewesen zu sein. Er wurde deswegen am 9. Dezember des vergangenen Jahres verhaftet. Bei der Anhörung einige Tage später hatten León und die weiteren 13 Beschuldigten – auch Spaniens erfolgreichste Leichtathletin Marta Domínguez – alle Vorwürfe bestritten. Die Verdächtigen kamen daraufhin unter der Auflage, jederzeit für die Justiz erreichbar zu sein, wieder auf freien Fuß.

Léon war «Mädchen für alles»

Gegen León war zuvor bereits im Rahmen der «Operación Puerto» ermittelt worden. In der im Mai 2006 von der Polizei aufgedeckten Affäre gerieten mehr als 50 Radprofis, darunter auch Superstars wie Jan Ullrich, Ivan Basso oder Alejandro Valverde, unter Dopingverdacht. Verurteilt wurde bislang aber noch niemand.

In beiden Doping-Skandalen soll Léon dem mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes tatkräftig zur Seite gestanden haben und galt dabei als «Mädchen für alles».

An Depressionen erkrankt

Nach neuesten Erkenntnissen soll er nicht nur als Doping-Kurier gedient und die Blutbeutel gedopter Sportler transportiert haben, sondern auch die Geräte für Bluttransfusionen gewartet und selbst Transfusionen vorgenommen haben. Manche seiner Doping-Kunden glaubten gar, dass León selbst ein Arzt war und nannten ihn «El doctor».

Inwieweit der Selbstmord Alberto Leóns mit den Ermittlungen gegen seine Person zu tun hat und ob sein Suizid als Schuldeingeständnis zu werten ist, bleibt zunächst spekulativ. Die Ehe des 37-Jährigen ging nach den ersten Anschuldigungen 2006 in die Brüche. Außerdem soll er an schweren Depressionen gelitten haben.

(pre/20 Minuten)

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