Superwahltag in Deutschland – Ex-Weinkönigin tritt gegen «König Kurt» an

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Superwahltag in DeutschlandEx-Weinkönigin tritt gegen «König Kurt» an

Im benachbarten Rheinland-Pfalz wird am Sonntag ein neuer Landesvater - oder eine Landesmutter - gewählt. Im reichen Baden-Württemberg droht der CDU von Kanzlerin Merkel eine Schlappe nach 58 Regierungsjahren.

Wer soll Ministerpräsident werden? Landesvater Kurt Beck (SPD) tritt gegen Julia Klöckner (CDU) an.

Wer soll Ministerpräsident werden? Landesvater Kurt Beck (SPD) tritt gegen Julia Klöckner (CDU) an.

DPA

«König Kurt» oder eine ehemalige Weinkönigin – am Sonntag haben 3,1 Millionen Bürger im Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz beim «Duell der Könige» die Wahl. Als aussichtsreichster Kandidaten für das Amt des Landesvaters oder der Landesmutter tritt Deutschlands dienstältester Ministerpräsident, der SPD-Mann Kurt Beck, gegen die deutlich jüngere CDU-Kandidatin Julia Klöckner an.

Bereits seit 1994 ist Kurt Beck im Amt. Der 62-jährige Maurersohn aus der Südpfalz gilt als beliebter und bodenständiger Landesvater. Manche behaupten, Beck habe bereits der Hälfte der vier Millionen Rheinland-Pfälzer die Hand geschüttelt. Auf der Bundesbühne war er weniger erfolgreich: Nach seiner Wahl zum SPD-Bundesvorsitzenden 2006 trat er 2008 nach parteiinternen Verwicklungen zurück. Als größte Krise seiner Amtszeit als Chef der Landesregierung gilt die Nürburgring-Affäre. Die Privatfinanzierung des offiziell 330 Millionen Euro teuren Freizeitzentrums an der Rennstrecke war 2009 spektakulär gescheitert.

Ex-Weinkönigin

Im Wahlkampf musste Beck sich gegen Vorwürfe einer Misswirtschaft wehren, mit denen die 24-Jahre jüngere CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner gegen den langjährigen Regierungschef punkten wollte. Die 38-jährige Winzertochter stammt aus dem Nahetal und arbeitete bis vor kurzem als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesagrarministerium mit dem Schwerpunkt Verbraucherschutz. Wegen des Wahlkampfes gab sie das Amt Mitte Februar auf.

Die telegene und medial erfahrene CDU-Landeschefin ist schon als sehr junge Frau viel herumgekommen: Mitte der 1990er Jahre bereiste sie als Deutsche Weinkönigin die Weinbauregionen der Welt. Hierzulande arbeitete sie als Religionslehrerin und Journalistin, trat 1997 in die Junge Union ein und wurde 2002 erstmals Bundestagsabgeordnete. Ihr wird ein guter Draht zu Bundeskanzlerin Angela Merkel nachgesagt.

Beck in Umfragen vorn

Nach den letzten Umfragen wird SPD-Mann Kurt Beck zwar seine absolute Mehrheit einbüßen. Er kann voraussichtlich aber mit den Grünen regieren, die damals den Einzug in den Landtag verfehlten, diesmal jedoch ein gutes Ergebnis erwarten dürfen.

Die FDP als langjähriger früherer Koalitionspartner Becks dürfte kaum in Betracht kommen, zumal die Freidemokraten an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern könnten.

L'essentiel Online mit dpa

Julia Klöckner und Kanzlerin Merkel in Trier

Zum Abschluss des Wahlkampfs besucht am Samstag CDU-Spitzenkandiatin Julia Klöckner Trier. Sie hat hochrangige Unterstützung: Kanzlerin Angela Merkel wird ebenfalls an der Veranstaltung in der Europahalle teilnehmen. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr, Einlass ist ab 10 Uhr am Samstagmorgen.

CDU droht Schlappe in Baden-Württemberg

Die Christdemokraten der deutschen Kanzlerin Angela Merkel müssen an diesem Sonntag den Machtverlust nach 58 Regierungsjahren in einem wichtigen Bundesland befürchten. Sollte die christlich-liberale Regierung in Baden-Württemberg abgewählt werden, wäre dies auch für Kanzlerin Angela Merkel ein schwerer Schlag. Die CDU-Bundesvorsitzende kämpfte an der Seite von Ministerpräsident Stefan Mappus gegen eine Wahlschlappe in diesem Stammland ihrer Christdemokraten. Mappus, seit gut einem Jahr Regierungschef in Stuttgart, muss allerdings nicht nur mit deutlichen Verlusten der CDU, sondern besonders mit der Schwäche seines Koalitionspartners FDP rechnen.

Die größten Probleme bereiten der amtierenden Regierung der heftige Streit um die Tieferlegung des Hauptbahnhofs Stuttgart (Stuttgart 21) sowie die Atomdebatte.

Erster grüner Landesvater?

Nach den Wahl-Umfragen ist in Baden-Württemberg ein Sieg der Oppositions-Parteien von SPD und Grünen wahrscheinlich. Dabei könnte die Öko-Partei vorne liegen. Sie würde dann mit ihrem 62-jährigen Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann erstmals in einem Bundesland den Ministerpräsidenten stellen.

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