Afghanistan – Explosion an Mädchenschule fordert 68 Tote
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AfghanistanExplosion an Mädchenschule fordert 68 Tote

In Afghanistan wurden bei einer Explosion an einer Mädchenschule mindestens 68 Personen getötet. Unter den Opfern sind hauptsächlich Mädchen im Alter von elf und 15 Jahren.

Nach einem verheerenden Bombenanschlag auf eine Schule in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, wurden am Sonntag die Opfer beigesetzt worden. Die Zahl der Toten ist laut «CNN» auf 68 gestiegen. Viele der Opfer in Kabul seien Schülerinnen zwischen elf und 15 Jahren, teilte das afghanische Innenministerium mit. Die Zahl der Verletzten habe sich auf 165 erhöht. Zahlreiche Personen gelten noch als vermisst.

Als viele Kinder am Samstag die Schule verließen, gab es vor dem Gebäude drei Explosionen, wie Innenministeriumssprecher Tarik Arian sagte. Die erste sei von einem mit Sprengstoff gefüllten Fahrzeug ausgelöst worden, dann seien zwei weitere gefolgt. Die Detonationen ereigneten sich im Viertel Dascht-e-Barchi, in dem vor allem schiitische Hasara leben.

Taliban bestreiten Beteiligung

Die Gegend in Kabul ist bereits zuvor mehrfach von Gewalt erfasst worden, die sich gegen die Minderheit der Schiiten richtete und für die zumeist ein Ableger der sunnitischen Terrorgruppe Islamischer Staat die Verantwortung übernahm. Wer hinter dem Anschlag vom Samstag steckte, war zunächst unklar. Es war der schwerste Anschlag in Afghanistan seit über einem Jahr. Die Regierung machte die Taliban für die Tat verantwortlich. Die militant-islamistischen Taliban bestritten eine Beteiligung und verurteilten die Tat.

Angehörige der Opfer warfen der Regierung vor, sie nicht zu schützen. Sie reagiere lediglich, werde aber vor solchen Taten nicht aktiv, sagte Mohammed Bakir Alisada, dessen Nichte zu den Todesopfern zählte.

Anführer der Hasara beschlossen am Sonntag die Einrichtung einer eigenen Schutztruppe. Sie soll vor Schulen, Moscheen und öffentlichen Einrichtungen stationiert werden und mit Sicherheitskräften der Regierung zusammenarbeiten. Ziel sei, die örtlichen Kräfte zu ergänzen, sagte der Parlamentarier Ghulam Hussein Naseri.

Anschlag auf Bus fordert elf Tote

Bei einem Bombenanschlag auf einen Bus in Afghanistan sind in der Nacht zum Montag mindestens elf Menschen getötet worden. Wie das Innenministerium in Kabul mitteilte, wurden 28 weitere Menschen bei dem Anschlag in der Provinz Sabul im Südosten des Landes verletzt. Demnach war die Bombe am Straßenrand deponiert.

Der Anschlag ereignete sich wenige Stunden vor der Ankündigung der radikalislamischen Taliban, eine dreitägige Waffenruhe anlässlich des Eid-al-Fitr-Festes zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan einhalten zu wollen.

Truppenabzug von US-Soldaten

Erst vor wenigen Tagen haben die noch im Land verbliebenen 2500 bis 3500 US-Soldaten mit dem Abzug begonnen. Sie sollen Afghanistan nach dem Willen von US-Präsident Joe Biden spätestens bis zum 11. September verlassen haben. Auch die anderen Nato-Mitgliedsstaaten ziehen ihre Truppen ab, so erklärte die Organisation, es gebe in Afghanistan keine militärische Lösung. Beobachter befürchten nach dem Abzug der ausländischen Truppen einen neuerlichen Anstieg der Gewalt. Die US-Geheimdienste sehen unter anderem die Frauenrechte in Gefahr.

Im ersten Quartal 2021 wurden nach Zählung des UN-Hilfseinsatzes Unama in Afghanistan mehr als 570 Zivilisten getötet und 1210 verwundet. Das sind fast 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei stiegen insbesondere die Zahl der verletzten oder getöteten Frauen und Kinder.

(L'essentiel/Bianca Lüthy)

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