Von Krise zu Krise – EZB hilft Banken aus der Patsche

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Von Krise zu KriseEZB hilft Banken aus der Patsche

Die Schuldenkrise hat die Banken erreicht: Während die Politik über Finanzhilfen debattiert, handelt die Europäische Zentralbank. Sie flutet die Banken mit billigem Geld.

Eurogruppenpräsident Jean-Claude Juncker (links) und Zentralbankpräsident Jean-Claude Trichet (Mitte) bei der Sitzung der EZB in Berlin.

Eurogruppenpräsident Jean-Claude Juncker (links) und Zentralbankpräsident Jean-Claude Trichet (Mitte) bei der Sitzung der EZB in Berlin.

DPA

Die Europäische Zentralbank greift den Finanzinstituten massiv unter die Arme: Um die Banken vor dem Sog der Schuldenkrise zu schützen, packt die EZB ihre Kriseninstrumente wieder aus und pumpt billiges Geld in das System - mit langen Laufzeiten und in unbegrenzten Mengen. Damit soll ein Austrocknen des Kreditmarktes verhindert werden. Gleichzeitig hielt Jean-Claude Trichet auf seiner letzten Pressekonferenz als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Berlin den Forderungen nach einer Zinssenkung stand.

Zwar steht als Folge der Staatsschuldenkrise die Rezession vor der Tür. Doch der scheidende Währungshüter kann die Zinsen nicht senken, um die Konjunktur anzukurbeln: Die Inflation ist zu hoch.

Preise steigen zu stark

Der EZB-Rat beschloss, den Leitzins im Euro-Raum bei 1,5 Prozent zu belassen. Das von Ökonomen geforderte Abschiedsgeschenk, die jüngsten Zinserhöhungen von 1,0 auf nun 1,5 Prozent zurückzunehmen, blieb damit aus. Bei einer Inflation von 3,0 Prozent hätte das wohl auch die Glaubwürdigkeit der Währungshüter untergraben, deren wichtigstes Ziel stabile Preise sind - zumal sie die Zügel erst im Juli angezogen hatten, wie Commerzbank-Ökonom Michael Schubert betont.

Die Teuerung liegt auf dem höchsten Stand seit drei Jahren und weit über dem Zielwert der Währungshüter. «Wir haben nur eine Nadel im Kompass. Wir müssen Preisstabilität garantieren», sagte Trichet im Laufe seiner achtjährigen Amtszeit immer wieder. Auch am Donnerstag machte er deutlich, dass die zahlreichen Sondermaßnahmen wie etwa Anleihenkäufe klammer Euroländer daran nichts ändern: «Wir haben in den vergangenen Jahren Preisstabilität gewährleistet, und werden das auch in den kommenden Jahren tun. Hier sind wir absolut glaubwürdig.»

EZB kauft weiter massiv Krisen-Anleihen

Ökonomen erwarten, dass die EZB die Zinspause unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi bald beenden wird. Auch Trichet zeichnete ein düsteres Bild von der Konjunktur im Euroraum in den kommenden Monaten: «Der Wirtschaftsausblick ist weiterhin mit besonders hoher Unsicherheit und verstärkten Abwärtsrisiken behaftet», sagte er. Für die zweite Jahreshälfte erwarte er ein moderates Wachstum - nach einer leichten Abschwächung im zweiten Quartal.

Die Notenbank wird weiter massiv am Anleihenmarkt Papiere der kriselnden Staaten kaufen, um die Zinslast der Schuldensünder zu senken. Aktuell hat die EZB Anleihen im Wert von 160,5 Milliarden Euro in den Büchern. Allerdings machte Trichet erneut deutlich, dass die EZB diese umstrittenen Geschäfte nicht ewig fortsetzen will: «Wir erwarten natürlich, dass der (Euro-Rettungsschirm) EFSF so bald wie möglich steht und am Sekundärmarkt Anleihen kaufen kann.»

Banken sollen sich an Regierungen wenden

Die Zentralbank will wieder sogenannte gedeckte Anleihen im Volumen von 40 Milliarden Euro kaufen. «Covered Bonds» wie Pfandbriefe dienen den Geschäftsbanken zur Refinanzierung. Die Papiere gelten als besonders sicher, da sie etwa durch Grundstücke besichert sind oder von Staaten garantiert werden. Mit den Maßnahmen sollen Liquiditätsengpässe im Finanzsektor vermieden werden.

Angesichts der Milliarden-Engagements der Geschäftsbanken in Staatspapieren europäischer Krisenländer ist das Misstrauen der Banken untereinander gewachsen. Trichet forderte die Banken auf, ihre Bilanzen und ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Falls nötig, sollten die Institute auf Regierungsmaßnahmen zurückgreifen.

(L'essentiel Online/dpa)

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