Andy betrunken – Facebook-Post über Schleck tut Politiker leid
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Andy betrunkenFacebook-Post über Schleck tut Politiker leid

Ein französischer Abgeordneter hat auf Facebook gepostet, Andy Schleck volltrunken in einem Münchner Hotel angetroffen zu haben. Jetzt bedauert er den Eintrag.

«Spätes Einchecken in einem Hotel am Münchner Flughafen. Ein betrunkener Typ kommt in den Aufzug und schafft es nicht mehr, die Knöpfe zu drücken. Ich erkenne einen bekannten Radprofi wieder. Depriemierend». Mit dieser Nachricht auf seiner Facebookseite hat der franzöische Abgeordnete Pierre-Yves Le Borgn’ eine Lawine losgetreten.

«Es war Andy Schleck, er konnte sich kaum mehr auf seinen Beinen halten. Ich habe für ihn den Aufzugknopf gedrückt. Ich fand diese Situation sehr traurig», fährt Le Borgn’ auf seiner Facebook-Seite fort und schreibt weiter: «Andy Schleck hatte kurz zuvor beim Etappenrennen Tirreno-Adriatico aufgegeben. Seit dem Frühling 2012 konnte er kein Rennen mehr beenden. Sein Bruder Fränk ist wegen Doping gesperrt worden. Ich hatte das Gefühl, einen jungen Menschen zu treffen, dem es schlecht geht, der nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht, allein, nachts, betrunken in einem Flughafenhotel.»

Der französiche Abgeordnete ist nicht der erste, und wohl auch nicht der letzte, der in die Falle der sozialen Netzwerke tappt. Andy Schleck, betrunken in einem Hotel, die Nachricht machte schnell die Runde. «L’essentiel» beschloss, diese Nachricht so nicht zu berücksichtigen, aus Respekt vor der Privatsphäre von Schleck.

Jetzt tut's dem Politiker leid

Zugleich teilten wir dem Abgeordneten mit, dass wir seine Haltung bedauerlich fänden. Pierre-Yves Le Borgn’ meldete sich daraufhin in der Redaktion und erklärte, über das Ausmaß der Affäre erschrocken zu sein. Er habe sich als Radsportfan äußern wollen, nicht als Politiker. Er verfolge fast jedes Jahr vor Ort die Ardennen-Klassiker und interessiere sich auch für die Ergebnisse der Schlecks. Vor Jahren sei er Praktikant am Europäischen Gerichshof in Luxemburg gewesen und habe das Land lieben gelernt.

Pierre Yves Le Borgn‘ hat nun eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der er sich entschuldigt. «Es tut mir leid, diese Zeilen auf meiner Facebook-Seite geschrieben zu haben. Ich bewundere Andy Schleck seit Jahren. Ihn in diesem Zustand zu begegnen, hat mich sehr bewegt. Mit Freunden auf Facebook tauschen wir uns ab und zu über Radsport aus, niemand hat sich bisher dafür interessiert. Ich war mir nicht darüber bewusst, was mein Posting auslösen würde. Mir ist nun klar, wie ungeschickt und naiv dies war.»

Andy Schleck erhält Psychologen

Bleibt noch die missliche Lage von Andy Schleck. Nach seiner schweren Beckenverletzung findet er nicht mehr in seine alte Form zurück. Ihm fehlt es an Kilometern, ihm fehlt es an Vertrauen, an Lust, und es fehlt ihm sein Bruder Fränk, der für ein Jahr gesperrt wurde. Alles Dinge, die einen Menschen zur Verzweiflung bringen können, an einem Abend in München. Auch Hochleistungssportler sind Menschen mit ihren Stärken und Schwächen. Andy Schleck zeigt gegenwärtig viele Schwachpunkte. Doch braucht er gerade jetzt Unterstützung. Und genau das will sein Team RadioShack-Leopard nun mit einem Psychologen leisten, um ihn zu helfen, seine Probleme zu überwinden.

(L'essentiel Online/Denis Berche)

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