Marie-Joseé Jacobs – «Fall Junglinster macht mich traurig»
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Marie-Joseé Jacobs«Fall Junglinster macht mich traurig»

LUXEMBURG - Integrationsministerin Marie-Josée Jacobs hofft bei der Flüchtlingsfrage auf mehr Verständnis in der Bevölkerung. Interview.

Integrationsministerin Marie-Josée Jacobs erwarten nach der Sommerpause einige große Projekte.

Integrationsministerin Marie-Josée Jacobs erwarten nach der Sommerpause einige große Projekte.

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«L’essentiel»: Der Aufnahme- und Eingliederungsvertrag (CAI), der zwischen Ihrem Ministerium und integrationswilligen Ausländern geschlossen wird (siehe Infobox), feiert seinen ersten Geburtstag. Welche Bilanz ziehen Sie?

Marie-Josée Jacobs, Familien- und Integrationsministerin: Ich bin recht zufrieden. Bisher haben 905 Personen den Vertrag unterschrieben.

Was ist Ihre Meinung zur
Petition, die Bürger aus Junglinster gegen die Errichtung eines Wohncontainers für Flüchtlinge lanciert haben?

Es macht mich traurig. Das Problem ist, dass die Leute Angst vor Unbekanntem haben. Ist die Sache erst einmal errichtet, löst sich der Konflikt auf. Es ist zu einfach, die Schuld der Gemeinde zuzuschieben, die ihre Verantwortung in Sachen Kommunikation übernommen hat. Bei der Integration spielt jeder Einzelne eine Rolle, jene, die hier ankommen, aber auch jene, die sie aufnehmen.

Wie viel Zeit braucht es, den Fall eines Asylbewerbers zu behandeln?

Das ist unterschiedlich. Im beschleunigten Verfahren kann das Dossier innerhalb von drei bis vier Monaten bearbeitet werden. Geht ein Asylbewerber gegen eine Entscheidung in Berufung, kann es aber auch schon einmal zwei bis drei Jahre dauern.

Welche Baustellen erwarten Sie nun nach der Sommerpause?

Zunächst das Gesetz zur Privatinsolvenz, das beim Staatsrat eingereicht wurde. Es dürfte bis Ende des Jahres verabschiedet und dann Ende 2013 oder Anfang 2014 in Kraft treten. Ein anderes großes Projekt ist jenes über die Qualitätsstandards in den Aufnahmeeinrichtungen. Hinzu kommen der Jugend- sowie der Behindertenplan und das Au-pair-Gesetz. Außerdem haben wir mit dem Brainstorming zu einem Solidaritätsprojekt mit verschiedenen Vereinen und Nicht-Regierungsorganisationen begonnen. Ziel ist es, zu verhindern, dass bestimmte Personen in die Armut abrutschen. Beim «Housing First» geht es darum, Menschen eine Wohnung zu vermitteln, denen das Prekariat droht.

(L'essentiel Online/Chloé Murat)

Der Aufnahme- und Eingliederungsvertrag

Der Aufnahme- und Eingliederungsvertrag dient dazu, die Integration von Ausländern zu fördern. Sie können zu vergünstigten Tarifen an Luxemburgisch-, Französisch- und Deutschkursen teilnehmen sowie kostenlos an Kursen in Staatsbürgerkunde. Zudem erhalten Sie nützliche Informationen zu Behördengängen. Interessierte müssen älter als 16 Jahre alt sein, dürfen die luxemburgische Staatsbürgerschaft nicht besitzen. Ihre bisherige Aufenthaltsdauer im Großherzogtum muss unter fünf Jahren liegen.

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