Finanznöte – Familie Peugeot muss das Lenkrad abgeben

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FinanznöteFamilie Peugeot muss das Lenkrad abgeben

Acht Generationen haben die Unabhängigkeit des französischen Autobauers hochgehalten. Doch nun steigen der Staat und der Autobauer Dongfeng beim Familienunternehmen ein.

Globalisierung verschlafen: Der traditionsreiche französiche Autohersteller PSA Peugeot Citroën verliert seine Unabhängigkeit. (Bild: AFP)

Globalisierung verschlafen: Der traditionsreiche französiche Autohersteller PSA Peugeot Citroën verliert seine Unabhängigkeit. (Bild: AFP)

Die Erben des angeschlagenen Peugeot-Konzerns von Firmengründer Armand Peugeot müssen klein beigeben. Ohne fremde Hilfe kann der Konzern sein Überleben nicht mehr länger sichern.

Am Dienstag gab der Verwaltungsrat von PSA Peugeot Citroën grünes Licht für den Einstieg des französischen Staates und des chinesischen Autobauers Dongfeng beim 1896 gegründeten Auto-Unternehmen, das dringend frisches Geld braucht.

14 Prozent Aktien-Anteil

Zugleich soll der Anteil der Familie Peugeot an Frankreichs größtem Autobauer gestutzt werden. Bisher hielten die Erben gut ein Viertel des Kapitals und – wegen Aktien mit doppeltem Stimmrecht – gut 38 Prozent der Stimmrechte. Thierry Peugeot ist zudem Vorsitzender des Verwaltungsrats, unter den 15 Mitgliedern des Gremiums sind noch drei andere Angehörige der Familie.

Nun wird der Aktien-Anteil der Familie auf 14 Prozent des Kapitals beschränkt, in gleicher Höhe sollen der französische Staat und der chinesische Autobauer Dongfeng beteiligt sein. Den Rest werden sich weiterhin französische und ausländische Investoren teilen, auch Angestellte halten einen kleinen Teil des Kapitals.

Thierry Peugeot bangt um Posten

Thierry Peugeot, der bis zuletzt vehement für die Unabhängigkeit des größten französischen Autobauers vor allem vom Staat eintrat, könnte ausserdem seinen Posten an der Spitze des Verwaltungsrats verlieren. Darüber soll Ende März eine ausserordentliche Aktionärsversammlung entscheiden. Insider vermuten, dass dann die Zahl der Familienmitglieder in dem Gremium auf insgesamt zwei reduziert werden könnte.

Zwar stand die Familie Peugeot seit Mitte der 1960er-Jahre nicht mehr direkt an der Spitze des Unternehmens, doch als Hauptaktionär gab sie weiter die Richtung an. Daher müssen sich die Peugeots heute auch vorwerfen lassen, dass sie maßgeblich für die Schieflage des Konzerns verantwortlich sind, der 1976 den Autobauer Citroën gekauft hatte.

Globalisierung verschlafen

Das Unternehmen hat die Globalisierung verschlafen und sich zu sehr auf den europäischen Markt konzentriert. Somit trafen die Wirtschaftskrise und der Einbruch der Verkaufszahlen in Europa PSA Peugeot Citroën härter als andere europäische Autobauer, die mehr auf Wachstumsmärkte wie China oder Brasilien setzten.

Zwar zeigte sich der Verwaltungsratspräsident Thierry Peugeot, der diesen Posten 2002 nach dem Tode seines Vaters Pierre Peugeot übernommen hatte, schon 2009 offen für Allianzen mit anderen Autobauern – doch er sorgte immer dafür, dass die Familie der entscheidende Grossaktionär blieb. Nun muss er sich mit einer neuen Situation abfinden – die Familie Peugeot sitzt nicht mehr am Steuer.

(L´essentiel/ sda)

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