Drama in Kruft – Familienmörder muss lebenslang in den Knast
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Drama in KruftFamilienmörder muss lebenslang in den Knast

KOBLENZ - Ein Kind erstickt, einem anderen die Kehle durchgeschnitten, die Frau erstochen: Dafür muss ein 48-Jähriger Mann nun mindestens 15 Jahre hinter Gitter.

Für den Mord an seiner Frau und seinen beiden Söhnen ist ein 48-jähriger Mann in Koblenz zur Höchststrafe verurteilt worden. Er erhielt am Donnerstag vom Landgericht eine lebenslange Haftstrafe. Die Richter stellten zudem eine besondere Schwere der Schuld fest, was die Entlassung aus der Haft nach 15 Jahren verzögern kann. Der Vorsitzende Richter Ralf Bock sprach von einer «schrecklichen, abscheulichen und unverzeihlichen Tat», die der 48-Jährige detailliert geplant habe.

Der Mann hatte zugegeben, im November 2012 in Kruft in der Osteifel im Haus der Familie seine 43 Jahre alte Ehefrau und seinen neunjährigen Sohn erstochen und seinen sieben Jahre alten Sohn erstickt zu haben. Er hatte nach eigener Aussage befürchtet, seine Familie an einen Geliebten seiner Frau zu verlieren. Mit dem Urteil entsprach das Gericht den Forderungen von Anklage und Nebenklage.

Kind mit Kissen erstickt, Frau erstochen, Kind die Kehle durchgeschnitten

Am Tattat war zuerst sein jüngerer Sohn nach Hause gekommen. Der Vater war mit ihm zum Kuscheln ins Bett gegangen und hatte das Kind dann mit einem Kissen erstickt. Als wenig später seine Frau erschien, tötete er sie in der Küche mit 25 Messerstichen. Zuvor hatte er mit einer Bratpfanne und einer Flasche auf sie eingeschlagen. Den jüngeren Sohn bat er nach seiner Rückkehr von der Schule, die Augen zu schließen, weil er eine Überraschung für ihn habe. Dann schnitt er ihm von hinten die Kehle durch.

Der Vorsitzende Richter betonte, der Angeklagte habe die Vertrautheit seiner Opfer ausgenutzt. Was er getan habe, sei nicht nachzuvollziehen, nicht zu erklären und auch nicht zu entschuldigen.

Keine krankhafte Störung

Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage hatten ebenfalls für eine lebenslange Haftstrafe plädiert und eine besondere Schwere der Schuld gesehen. Der Familienvater habe innerhalb von anderthalb Stunden systematisch drei Menschen getötet, sagte Oberstaatsanwalt Manfred Stemper. Der Mann sei dabei bei vollem Verstand gewesen. Zuvor hatte ein psychiatrischer Gutachter betont, bei dem Mann läge keine krankhafte Störung, Schizophrenie oder Wahnhaftigkeit vor.

Die Eltern und die Schwester der getöteten Frau sowie ein Sohn der 43-Jährigen aus einer früheren Beziehung verfolgten das Urteil im Gerichtssaal. Sie traten als Nebenkläger auf. Ihr Anwalt, Ahmet Günes, sagte mit Blick auf den Angeklagten: «Sie hatten kein Erbarmen, nicht den Hauch von Mitleid.»

«Es tut mir leid»

Der Verteidiger, Frank Schubert, hatte sich dafür ausgesprochen, seinem Mandanten nach einer «langjährigen Haftstrafe» eine Perspektive zu geben. Dieser habe sich etwa wegen der außerehelichen Beziehungen seiner Frau «wie ein Drecksköter» gefühlt. Letztlich habe er seine Taten als letzten Ausweg betrachtet. Den Angehörigen der Opfer wünschte Schubert viel Kraft für die Zukunft.

Der 48-Jährige selbst hatte zu Beginn des Prozesses gesagt, er habe sich und seine Jungs befreien wollen. Kurz vor dem Urteilsspruch ergriff er noch einmal das Wort und sagte: «Es tut mir leid, was ich den Schwiegereltern angetan habe.»

(L'essentiel Online/dpa)

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