Frauenbewegung in Luxemburg – «Feminismus haftet etwas Altmodisches an»
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Frauenbewegung in Luxemburg«Feminismus haftet etwas Altmodisches an»

LUXEMBURG – Wer als Feministin auftritt, gilt oft als frustriert. Dabei ist es nicht lange her, dass Frauen kein Bankkonto eröffnen durften. Wie das zusammenpasst, erklärt ein neues Buch.

Autorin Sonja Kmec ist der Geschichte des Feminismus in Luxemburg auf den Grund gegangen.

Autorin Sonja Kmec ist der Geschichte des Feminismus in Luxemburg auf den Grund gegangen.

L'essentiel

«L’essentiel»: Sie haben eine Forschungsarbeit zur Geschichte des Feminismus erarbeitet und bringen sie als Buch unter dem Titel «Gespenst des Feminismus» heraus. Was hat Sie bei Ihren Recherchen über den Feminismus in Luxemburg besonders berührt?

Sonja Kmec, Autorin und Angestellte an der Uni Luxemburg: Dass eine der großen Forderungen des Feminismus nie Realität geworden ist: Die Arbeitszeit sollte so verringert werden, dass Frauen und Männer Zeit für ihre Kinder haben. Sie passte nicht zum Neoliberalismus, der aber andere Forderungen der Feministinnen aufgegriffen hat: Frauen arbeiten.

Auch die Regelung der Abtreibung kommt in Luxemburg nicht voran…

Ja. Ich möchte aber nicht unbedingt über die Rückstände beim Feminismus sprechen. Vieles kommt nur langsam nach Luxemburg. Die Ideen des Mai '68 zum Beispiel sind in Universitäten entstanden. Wir brauchten erst einmal eine Uni.

Wie lang ist denn der Weg, den der luxemburgische Feminismus hinter sich hat?

Was uns heute völlig normal erscheint, war es absolut nicht, als die Bewegung für die Befreiung der Frauen (Mouvement Libération de la Femme) vor 40 Jahren ins Leben gerufen wurde. Die Ehefrau hatte den gleichen Status wie ein minderjähriges Kind. Sie durfte nicht einmal ein Bankkonto eröffnen.

Was bedeutet es heute, Feministin zu sein?

Dem Feminismus heftet heute das Etikett «altmodisch» an. Oft werden Feministinnen als frustrierte Frauen wahrgenommen. Viele junge Leute haben das Gefühl, dass alles erreicht ist. Wie sich das entwickeln wird? Um daraus zu antworten wäre eine neue Studie notwendig.

Wie haben Sie Ihre Forschung betrieben?

Wir haben zu sechst am «Gespenst des Feminismus» gearbeitet. Dafür waren wir viel in den Archiven der Vereinigung Cid Femmes unterwegs und haben uns mit Frauen unterhalten, die schon damals aktiv waren. Es ist aber wichtig, dass es sich bei dem Werk um ein Geschichtsbuch handelt und nicht um ein Manifest für den Feminismus.

(L'essentiel Online/Séverine Goffin)

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