Fussball – Fifa und Saar-Uni erforschen Todesfälle

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FussballFifa und Saar-Uni erforschen Todesfälle

SAARBRÜCKEN - Der plötzliche Herztod von Fußballern soll exakt erforscht werden. Dafür tun sich die Fifa und der DFB-Arzt Meyer mit seinem Saar-Uni-Team zusammen.

Warum erleiden Fußballer einen plötzlichen Herztod? Gemeinsam mit dem Arzt der deutschen Nationalmannschaft gibt der Weltverband Fifa kurz vor der Weltmeisterschaft im Sommer den Startschuss für den Aufbau einer weltweiten Datenbank zu diesen tragischen Unglücken. Professor Tim Meyer will mit seinem Team am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes die häufigsten Ursachen für den plötzlichen Herztod von Profis - und auch Hobbyspielern - ermitteln und aus den Ergebnissen vorbeugende Maßnahmen ableiten. Die Fifa finanziert das Projekt.

Das Online-Register soll sich nicht allein auf Herzerkrankungen beschränken, «sondern allen plötzlichen Todesfällen von Fußballern nachgehen», erläuterte Meyer. Der 46 Jahre alte Sportmediziner ist seit 2001 als Arzt der Nationalelf tätig und wird die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw in Brasilien zum vierten Mal bei einem WM-Turnier betreuen.

Gibt es ein fußballspezifisches Muster?

«Letztlich geht es darum zu überprüfen, ob ein fußballspezifisches an Gefährdungen besteht, aus dem sich spezifische Vorbeugemaßnahmen ergeben», sagt Meyer zu der Intention einer weltweiten Fallerfassung. «Wenn Profi-Fußballer mitten im Spiel oder beim Training zusammenbrechen, ist das Medieninteresse riesig und die allgemeine Bestürzung natürlich groß.»

In Deutschland sterben jährlich über 100'000 Menschen an einem plötzlichen Herztod, «davon aber nur sehr wenige während des Sports», erklärt Meyer. Der Herztod tritt während oder bis zu einer Stunde nach einer sportlichen Aktivität ein. Seit fast zwei Jahren wird an Meyers Institut bereits eine nationale Datenbank mit Unterstützung der Deutschen Herzstiftung betrieben. Über SCD-Deutschland (Sudden Cardiac Death) können Trainer, Athleten, Ärzte oder auch Zuschauer Todesfälle beim Sport melden.

90 Prozent der Betroffenen sind Männer

«Das Risiko für einen plötzlichen Herztod ist zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt, rund 90 Prozent aller Betroffenen sind Männer», berichtet der Sportmediziner Jürgen Scharhag, der das neue Projekt umsetzen wird. Das Register soll auch Aufschluss darüber geben, ob sich die Todesursachen in einzelnen Ländern unterscheiden.

«In dem von der Fifa finanzierten Projekt wollen wir uns allerdings nicht auf Herzerkrankungen beschränken, sondern allen plötzlichen Todesfällen von Fußballern nachgehen», erläutert Meyer. Auch in Altherren-Ligen wird Wettkampfsport betrieben. Auf der Webseite des Registers werden die verschiedenen Krankheitsbilder in mehreren Sprachen erläutert, um schnell «aufnahmebereit» zu sein.

Prominente Opfer

Die FIFA beschäftigt der plötzliche Herztod schon länger. Der damals 28-jährige Marc-Vivien Foé aus Kamerun war 2003 beim Confederations Cup während eines Spiels an Herzversagen gestorben. Spaniens Nationalspieler Antonio Puerta vom FC Sevilla starb im Alter von 22 drei Tage nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand während eines Spiels. Der deutsche Profi Axel Jüptner brach 1998 nach dem Training beim damaligen Zweitligisten Carls Zeiss Jena zusammen und starb einen Tag später. Als Ursache bei dem 28-Jährigen wurde eine Herzmuskelentzündung angegeben.

Den «Fall Foé» hatte Jiri Dvorák, Medizinischer Leiter der FIFA, als «Weckruf» bezeichnet. Meyer war beim DFB auch schon mit der Herz-Problematik konfrontiert. Der frühere Nationalspieler Gerald Asamoah spielte mit dem Risiko eines verdickten Herzmuskels. Ein Defibrillator ist seitdem bei jedem Profispiel in einem deutschen Stadion vorhanden. Auch Fifa und Uefa schreiben dies vor.

Fußball führend in Sachen Vorsorge

Der Fußball gilt im Sport als führend bei Vorsorge und Vorbeugung. Eine jährliche Ultraschalluntersuchung des Herzens ist Bestandteil eines umfangreichen Pflicht-Checks und Voraussetzung für jeden Profi der 1. und 2. Bundesliga, um die Spielberechtigung der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu erhalten. Auch in der 3. Liga und Regionalliga, den beiden höchsten Frauen-Ligen sowie den Leistungsklassen der A- und B-Junioren sind jährliche Untersuchungen obligatorisch.

(L'essentiel/dpa)

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