Frankreich – Fillon hält trotz Anklage an seiner Kandidatur fest
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FrankreichFillon hält trotz Anklage an seiner Kandidatur fest

Ein Richter wird den konservativen französischen Präsidentschaftskandidaten formell beschuldigen. François Fillon spricht von politischem Mord.

Der wegen einer Scheinbeschäftigungsaffäre angeschlagene französische Präsidentschaftskandidat François Fillon hält an seiner Kandidatur fest. Das hat er heute Mittag bekannt gegeben. Fillon sagte: «Ich werde nicht aufgeben. Ich rufe Euch auf, mir zu folgen.»

Er solle formell angeklagt werden und habe für den 15. März eine Vorladung vor die zuständigen Untersuchungsrichter erhalten. Fillon beklagte an der kurzfristig anberaumten Medienkonferenz in Paris eine parteiische Justiz und zählte mehrere Vorgänge auf, die seiner Meinung nach gegen Recht und Gepflogenheiten verstoßen.

Vorwurf des politischen Mordes

Es handle sich um «Mord». Nicht nur an ihm als Kandidaten, sondern an der politischen Rechten und vier Millionen Anhängern, die ihn zum Kandidaten gemacht hatten.

Am Morgen hatte der konservative Politiker überraschend eine Erklärung angekündigt und ohne jede Begründung einen Termin bei der Pariser Landwirtschaftsmesse kurzfristig abgesagt.

Gerüchte über Haft der Ehefrau

Unklar blieb vor der Medienkonferenz, was Fillon sagen wollte. In Paris kursierten Gerüchte, er sei nun formell angeklagt worden. Seine Ehefrau Penelope, die er möglicherweise über mehrere Jahre zu Unrecht als Assistentin angegeben hatte, sei in Haft, hieß es in verschiedenen französischen Medien.

Gesichert schien, dass Fillon am Vormittag sowohl mit dem konservativen Ex-Premier Alain Juppé als auch mit dem früheren Staatschef Nicolas Sarkozy gesprochen hat. Fillon hatte sich in der Präsidentschaftsvorwahl der Konservativen im November gegen Juppé und Sarkozy durchgesetzt.

Drei Ermittlungen

Fillon steht in der Affäre um die mutmaßliche Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau Penelope seit Wochen unter Druck. Inzwischen ermitteln drei Untersuchungsrichter in dem Fall. Diese könnten Fillon und seine Ehefrau vorladen und einen oder beide formell beschuldigen.

Fillon hat seine Frau über die Dauer von insgesamt 15 Jahren als parlamentarische Assistentin beschäftigt. Nach Enthüllungen der investigativen Satirezeitung «Le Canard Enchaîné» gibt es jedoch keine Hinweise, dass sie tatsächlich gearbeitet hat. Nach Fillons Angaben geht es um Steuergelder in Höhe von rund 680.000 Euro nach Abzug der Sozialbeiträge.

Die Affäre hat dem Ansehen des lange Zeit als Präsidentschaftsfavoriten gehandelten Fillon stark geschadet. In den meisten Umfragen liegt er inzwischen hinter der Rechtsextremen Marine Le Pen und dem unabhängigen Mittekandidaten Emmanuel Macron.

(L'essentiel/rub/sda)

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