Wie bei Scorsese – Filmreifer Schlag gegen die Mafia

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Wie bei ScorseseFilmreifer Schlag gegen die Mafia

Mobsters und Mafiosi wollten Kokain in gefrorenem Fisch schmuggeln. Doch Undercover-Agent «Jimmy» macht ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Zeitgleich schlugen die Gesetzeshüter am gestrigen Dienstagabend auf beiden Seiten des Atlantiks zu: Rund hundert FBI-Beamte und italienische Polizisten verhafteten in der Aktion New Bridge (dt.: neue Brücke) 24 mutmaßliche Drogenhändler und zerschlugen so einen neuen weltweiten Kokain- und Heroinhändlerring, der von Südamerika über Italien bis in die USA reichen sollte (siehe auch Video unten).

Sieben Personen wurden in New York festgenommen, 17 in Italien. Raffaele «Lello» Valente, Charles «Charlie Pepsi» Centaro, José Alfredo «Freddy» García heißen drei der in New York Inhaftierten – die Namen klingen, als stammten sie aus einem Martin-Scorsese-Film.

«Jimmy» ermittelte Undercover

Die Aktion war der vorläufige Schlusspunkt jahrelanger Ermittlungen, bei denen unter anderen der US-amerikanische Agent «Jimmy» in die 'Ndrangheta eingeschleust werden konnte. «Die Mafiosi waren dem Neuling gegenüber zuerst misstrauisch, doch dem Beamten gelang es schließlich, ihr Vertrauen zu gewinnen», sagte Gennaro Semeraro, Polizeichef von Kalabrien, an der gestrigen Medienkonferenz in Rom.

Die Verhafteten wollten laut dem FBI die sogenannte «Pizza Connection» – den internationalen Drogenring von US-amerikanischen Mobsters und der sizilianischen Cosa Nostra in den 1970er- und 1980-Jahren – wieder aufleben lassen, doch diesmal mit der kalabrischen 'Ndrangheta. «Der internationale Drogenhandel ist heute ein Quasi-Monopol der ‘Ndrangheta», sagte der italienische Mafia-Ermittler Raffaele Grassi am Dienstag.

Flüssiges Kokain in gefrorenem Fisch

Ausschlaggebend waren die persönlichen Beziehungen des Mobsters Franco Lupoi zu Mitgliedern der 'Ndrangheta und der Gambino-Familie, einer der fünf Familien der Cosa Nostra in New York. Geplant war der Handel von Kokain im Wert von rund einer Milliarde Dollar. Dieses sollte in flüssiger Form zusammen mit gefrorenen Ananas und Fisch versteckt von Guyana nach Italien verschifft werden. Ein bestechlicher Zollbeamter im italienischen Hafen von Gioia Tauro war bereits ausfindig gemacht, ein Fischgroßhändler gar übernommen worden.

Umgekehrt wollten die Verhafteten Heroin in die Staaten liefern – angefeuert vom aktuellen Trend in den USA, dem kürzlich der Schauspieler Philipp Seymour Hoffman zum Opfer gefallen sein soll.

Die Ermittler unterstellen der Organisation gemäss dem FBI und der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft von New York ausserdem Geldwäscherei sowie Marihuana- und Waffenhandel. Auch soll einer der mutmaßlichen Mobsters grosse Mengen an Falschgeld besitzen.

Die Verhaftungen in Italien:

(L´essentiel/ kmo)

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