Monat der Entscheidungen – Finanzmärkte blicken gespannt auf Notenbanken

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Monat der EntscheidungenFinanzmärkte blicken gespannt auf Notenbanken

Driftet die Geldpolitik in den USA und Europa weiter auseinander? Die EZB steht zu ihrer lockeren Geldpolitik. Wohingegen die Fed von einer Leitzinserhöhung nicht abgeneigt ist.

Lockerung der Geldpolitik? Das Hauptgebäude der EZB in Frankfurt. (Juli 2015)

Lockerung der Geldpolitik? Das Hauptgebäude der EZB in Frankfurt. (Juli 2015)

Der Dezember ist für die Notenbanken der Monat der Entscheidungen. Am 3. Dezember bestimmt der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), ob die EZB noch mehr billiges Geld auf den Markt wirft oder nicht. Am 16. Dezember entscheidet der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), ob in den USA erstmals seit fast zehn Jahren die Leitzinsen wieder steigen.

Dabei haben beide Institutionen dazu schon deutliche Signale ausgesandt. So hat EZB-Präsident Mario Draghi Mitte Oktober deutlich gemacht, dass die EZB zu weiteren Lockerung der Geldpolitik bereit sei. Die Fed hat Mitte November bekannt gegeben, dass die Fed-Spitze sich weitgehend einig sei, dass die Bedingungen für eine Zinsanhebung erfüllt sei.

Fed unter gewaltigem Druck

Vor allem die Fed und ihre Chefin Janet Yellen stehen dabei unter einem gewaltigen Druck. Denn die Finanzmärkte erwarten eine Erhöhung der Zinsen schon seit Monaten. Die US-Notenbank hat jedoch die Entscheidung mit dem Hinweis auf noch zu wenig günstige Konjunkturdaten immer wieder hinausgeschoben. Jetzt gebe es jedoch keine stichhaltigen Argumente gegen eine Zinswende mehr. Die US-Wirtschaftsdaten hätten sich nämlich wie gewünscht verbessert.

Eine eigentliche Überraschung wäre es demnach, wenn die Fed die Zinserhöhung noch einmal vertagen würde. Das wäre auch ein negatives Signal. Die Finanzmärkte müssten daraus nämlich schließen, dass die Notenbank die US-Konjunktur als zu wenig robust einschätzt, was genügen würde, die Anleger in Aufregung zu versetzen.

US-Notenbank unter Zugzwang

Die Fed steht demnach unter Zugzwang. Offener und darum auch spannender dagegen ist, wie die EZB entscheiden wird. Eine Woche vor der EZB-Sitzung deutet alles auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik hin. So hätten die EZB-Ratsmitglieder vermehrt eine solche angedeutet, schreibt die Bank. Mit dem Hinweis auf die anhaltende wirtschaftliche Erholung in Europa und der anziehende Inflation könnte die EZB jedoch glaubwürdig auch ein Verzicht auf weitere Maßnahmen begründen. Wie bei der Fed geht man auch bei der EZB nicht von einem Nullentscheid aus.

Wenn die Notenbanken diese Erwartungen erfüllen, laufen die geldpolitischen Wege der neuen und alten Welt noch stärker auseinander. Während Europa weiter billiges Geld auf den Markt pumpen würde, versuchte die USA die Geldschwemme einzudämmen. Dieses Auseinanderdriften der Geldpolitik würde nicht ohne Folgen bleiben. Die naheliegende ist, dass der Euro gegenüber dem Dollar weitere abwerten würde.

Der EZB käme das gelegen, weil es der europäischen Wirtschaft Schwung verleihen würde. Für die US-Notenbank dagegen wäre es eine Devisenkursverschiebung zur Unzeit, wie sie selber in einem Bericht schreibt. Sie würde nämlich die US-Exportwirtschaft belasten. Das dürfte auch den Appetit der Fed auf eine Zinserhöhung dämpfen.

(L'essentiel/woz/sda)

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