Lunex-Serie – Fitness-Apps – Fluch oder Segen?

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Lunex-SerieFitness-Apps – Fluch oder Segen?

Immer mehr Menschen nutzen ihr Smartphones, um sich in Form zu bringen. Unsere Expertin schreibt über die Vor- und Nachteile der Fitness-Apps.

In Parks, auf Bolzplätzen und Schulhöfen - man sieht sie überall: «Freie Athleten», wie sie sich selbst nennen, die sich bei Kniebeugen, Situps und Burpees (Kombisprünge) verausgaben, bis ihnen die Luft ausgeht. Was dahintersteckt? Fitness-Apps, die eine Vielzahl von Übungen für ein gerätefreies Training liefern. Meist bestehen die Übungen aus Variationen klassischer Basisübungen, bei der App Feeletics sind sie zum Beispiel nach griechischen Gottheiten benannt. Der Fokus liegt, je nach Trainingsziel, auf verschiedenen Körperbereichen oder einem speziellen Trainingsschwerpunkt wie Ausdauer, Kraft/Ausdauer und Kraft.

Fitness-Apps sind populär, da kostengünstig, auch weil die Übungen überall und jederzeit durchführbar sind. Mittlerweile existiert eine Community von über zehn Millionen Nutzern weltweit alleine für die Fitness-App Freeletics. Die User lassen sich von Motivationsbildern, Videos und markigen Sprüchen motivieren wie zum Beispiel «bekomme die Form deines Lebens» und «es gibt keine Ausreden». Aus trainingswissenschaftlicher Sicht haben Fitness-Apps Vorteile, aber auch Nachteile: Gerade Sportneulinge sollten die Risiken/Nachteile eines unbeaufsichtigten Trainings im Blick haben.

Vorteile:
- Workouts zeitsparend, überall und ohne Equipment möglich
- Überschaubare Übungen (inklusive Videos/Anleitung), variabel kombinierbar
- Hoher Kalorienverbrauch durch hochintensive Workouts
- Austauschmöglichkeit mit Anderen über die App-Community
- Kostenlose Basisworkouts oder kostenpflichtiger elektronischer Coach (Wahlmöglichkeit)

Nachteile:
- Überlastungsrisiko durch Einseitigkeit der Übungen
- Bewegungen werden ohne «echten» Trainer werden oft falsch ausgeführt.
- Übungen mit eigenem Körpergewicht und komplexen Abläufen sind alltagsnäher, das heißt «funktionaler», aber auch anspruchsvoller.
- Training wird oft zu intensiv dosiert (Wetteifern mit anderen Nutzern)
- Dauerhaftes falsches Training/Übertraining kann zu akuten, aber auch langfristigen Schädigungen von Muskeln, Sehnen, Bändern und Knorpel führen.

Fazit

Für geübte Sportler sind Fitness-Apps eine schnelle und effektive Maßnahme, um sich körperlich auszupowern und dabei das Herzkreislauf-System sowie die Muskulatur funktionell zu kräftigen.

Für Anfänger, die sonst keinen Sport treiben, sind sie nur bedingt geeignet. Unterstützung durch einen «echten» Coach zu Bewegungsausführung und Trainingsdosierung, ein gesunder Menschenverstand sowie die Berücksichtigung körpereigener Signale können hier vor Überlastung, Verletzungen und Schäden schützen. Dann macht das Training auch langfristig Spaß und die Begeisterung hält länger als einen Sommer!

(Christina Lutz/Lunex/L'essentiel)

Über die Autorin Christina Lutz

An der LUNEX University ist Christina Lutz als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der „Faculty of Health“ im Bereich Exercise and Sports Science - Human Movement sowie Physiotherapie tätig. Außerdem arbeitet sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Universität des Saarlandes und der Hochschule Fresenius in Idstein an einem Forschungsprojekt zum Thema sportorientierte Patientenschulungen bei Multiple Sklerose.

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