Exklave Melilla – Flüchtling versteckt sich in «Handschuhfach»

Publiziert

Exklave MelillaFlüchtling versteckt sich in «Handschuhfach»

Über 65 Millionen Menschen müssen aus ihrer Heimat fliehen oder werden vertrieben. Fotos der spanischen Polizei zeigen, was hinter der fast unvorstellbaren Zahl steckt.

Heute ist internationaler Weltflüchtlingstag. Passend dazu hat die spanische Polizei eine Reihe von Fotos vom Grenzübergang zwischen Marokko und der spanischen Exklave Melilla veröffentlicht: Sie zeigen, wie ideenreich (oder verzweifelt?) Menschen sind, die auf der Suche nach einem besseren Leben sind. Fünf afrikanische Migranten, drei davon Minderjährige, versteckten sich in einem Volkswagen Golf – einer sogar in einem ausgebauten Handschuhfach, zwei im Kofferraum und zwei unter der Rückbank mit doppeltem Boden.

Der marokkanische Fahrer hatte versucht, den Grenzübergang mit Vollgas zu überwinden. Als Beamte den Wagen stoppten und den 26-Jährigen verhafteten, wurden nach Polizeiangaben zwei Zöllner verletzt.

Melilla an der nordafrikanischen Mittelmeerküste gehört zur Europäischen Union, ist aber von deren Zollgebiet ausgenommen.

Die Stadt mit ihren rund 86.000 Einwohnern ist seit 1497 in spanischem Besitz.

Spanien wollte eigentlich 17.000 Flüchtlinge aufnehmen

In der spanischen Hauptstadt selbst demonstrierten dieses Wochenende Tausende Menschen für die Aufnahme von Flüchtlingen. Die Demonstranten zeigten sich enttäuscht über die schleppende Verteilung von 160.000 Flüchtlingen in der EU und forderten die Regierung in Madrid auf, ihren Verpflichtungen zur Aufnahme von mehr als 17.000 Migranten nachzukommen.

Die EU-Innenminister hatten im September 2015 gegen den Widerstand mehrerer osteuropäischer Länder die Umverteilung von 120.000 Asylbewerbern beschlossen, die mehrheitlich aus Syrien, Eritrea oder dem Irak stammen. Sie sollten bis September 2017 nach einem Quotensystem von Italien und Griechenland aus in andere Mitgliedstaaten gebracht werden.

Zuvor hatten sich eine Reihe von Mitgliedstaaten freiwillig verpflichtet, 40.000 Flüchtlinge aufzunehmen. Nach jüngsten Zahlen der EU-Kommission wurden bisher von den insgesamt 160.000 Flüchtlingen nur 20.869 auf andere EU-Staaten verteilt.

2000 Menschen an einem Tag

Derweil hat die libysche Küstenwache mehr als 900 Flüchtlinge im Mittelmeer aufgegriffen und zum libyschen Festland gebracht. Wie die Küstenwache mitteilte, wurden die Migranten am Vortag auf fünf Schlauchbooten und einem nicht motorisierten Holzschiff entdeckt. Unter den 908 Flüchtlingen waren demnach 25 Kinder und 98 Frauen, davon sieben Schwangere. Bei den Flüchtlingen handelte es sich um 44 Pakistaner, 40 Bangladescher, 13 Ägypter und acht Marokkaner. Die meisten stammten jedoch aus anderen afrikanischen Ländern. Die Flüchtlinge wurden in das Lager al-Nassr in Sawia gebracht.

Allein letzten Freitag wurden bei 18 Rettungseinsätzen rund 2000 Menschen gerettet, berichtete die italienische Küstenwache.

Mehr als 65 Millionen auf der Flucht

2016 haben die Flüchtlingszahlen den höchsten jemals registrierten Stand erreicht. Laut des Jahresberichts des UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR waren im vergangenen Jahr weltweit 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht – 300.000 mehr als im Vorjahr.

(L'essentiel/gux)

Deine Meinung