Wissenschaftliche Sensation – Forscher entdecken ein neues Organ
Publiziert

Wissenschaftliche SensationForscher entdecken ein neues Organ

Was Mediziner bislang lapidar als Zwischenraum abgetan haben, ist laut US-Wissenschaftlern ein eigenständiges Organ.

Forscher haben im menschlichen Körper eine bislang unbekannte anatomische Struktur entdeckt. Diese hatte man bis dato für einfaches Bindegewebe gehalten. Entsprechend unaufgeregt war auch der Name: Interstitium – Zwischenraum.

Doch offensichtlich hat man sich all die Jahre geirrt, wie Forscher der New York University School of Medicine im Fachjournal «Scientific Reports» berichten. Grund: Bei der Endoskopie des Gallengangs eines Krebspatienten war das Team um Neil D. Theise auf ein Netzwerk von mit Flüssigkeit gefüllten Kammern gestoßen.

Überall dort, wo es pocht

Dass es sich bei der Entdeckung um keinen Einzelfall handelt, zeigte die Untersuchung weiterer Krebspatienten. Dabei stellten Theise und seine Kollegen auch fest, dass die Struktur nicht nur im Gallengang, sondern im ganzen Körper vorkommt. Und zwar überall dort, wo Gewebe in Bewegung ist, pulsiert oder zusammengedrückt wird.

Die Mediziner werten das System als eigenständiges Organ. Ihnen zufolge könnte es als eine Art Stossdämpfer fungieren, der Gewebe und innere Organe vor mechanischem Stress und dem Altern schützt. Ob sie damit richtig liegen, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Dass die noch namenlose Neuentdeckung erst jetzt als neues Organ erkannt worden ist, hat laut den Forschern einen guten Grund: Normalerweise werden Gewebeproben vor dem Mikroskopieren chemisch behandelt, wodurch die enthaltene Flüssigkeit abgelassen wird und die Kammern in sich zusammenfallen.

Turbo für die Medizin?

«Unsere Entdeckung hat das Potenzial, dramatische Fortschritte in der Medizin herbeizuführen», wird Theise von der Wissenschaftsplattform «Scinexx» zitiert. Demnach gehen er und seine Kollegen davon aus, dass das Wissen über das bislang unbekannte Organ den Blick auf die Funktion von Organen und Geweben sowie die Entstehung von Krankheiten in Zukunft entscheidend beeinflusst.

Dass das alles andere als abwegig ist, verrät Michael Zeisberg, der nicht an der Studie beteiligt war. Wie er dem «Tagesspiegel» sagte, könnten die neuen Erkenntnisse große Bedeutung haben, «da es vorstellbar ist, dass diese Kanäle als Straßen für metastasierende Krebszellen oder auch für heilende Botenstoffe dienen.» Eine Art drittes Gefäßsystem, sozusagen.

(L'essentiel)

Deine Meinung