Reformierte Grundschule – Forscher geben Kritikern der Reform Recht
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Reformierte GrundschuleForscher geben Kritikern der Reform Recht

LUXEMBURG - Drei Jahre nach der Grundschulreform bleibt viel Arbeit. Zeugnisse und Schulverwaltung müssen vereinfacht werden, meinen Forscher der Uni.

Die Bewertung der Grundschüler mit Bilanzen und Zwischenbilanzen muss vereinfacht werden, raten Forscher der Uni in einer Bilanz der Grundschulreform.

Die Bewertung der Grundschüler mit Bilanzen und Zwischenbilanzen muss vereinfacht werden, raten Forscher der Uni in einer Bilanz der Grundschulreform.

DPA

Der Teufel sitzt im Detail. Das ist das Ergebnis einer ersten Bilanz über die Umsetzung der Grundschulreform, die seit dreieinhalb Jahren für viel Wirbel bei Lehrern, Schülern und Eltern sorgt.

«Die Hauptveränderungen der Reform sind positiv und werden von den Akteuren mitgetragen. Aber bei der Umsetzung besteht Verbesserungsbedarf», erklärte Daniel Tröhler, Professor an der Uni Luxemburg, am Donnerstagmorgen vor der Presse. Tröhler hatte mit einem Forscherteam die Reform und ihre Veränderungen unter die Lupe genommen und dazu Lehrer und Eltern befragt (siehe Infokasten).

Hat sich das Bildungsniveau der Schüler durch die Reform verbessert? Für eine Antwort auf diese Frage sei es noch zu früh, meint Tröhler. «Die Auswirkungen der Reform auf den Bildungsstand der Schüler lassen sich erst in 20 Jahren bewerten.» Daher zielte die Analyse auf die praktische Umsetzung an den Schulen.

Forscher bestätigen Kritik

Die Analyse der Experten bestätigt jedoch in weiten Teilen die bekannte Kritik, die vor allem auf die Bewertung der Schüler und die interne Organisation der Schulen zielt.

Bei Vorbereitung und Umsetzung der Reform zum Schuljahr 2009/2010 gab es große Probleme. Die Einführung hätte «weniger streng» sein sollen. Auch die Kommunikation über die Veränderungen durch Bildungsministerin Mady Delvaux-Stehres (LSAP) und ihr Team sei nicht überzeugend gewesen, heißt es in der Analyse.

Die Ablösung der Zeugnisse durch Bilanzen und Zwischenbilanzen hat in der Umsetzung zu großen Schwierigkeiten geführt. «Während die Eltern den Lehrern vorwerfen, die neue Bewertung der Schüler nicht komplett zu beherrschen, gehen die Lehrer davon aus, dass diese für die Eltern zu kompliziert sei», so der Uni-Forscher. Einig sind sich alle Akteure, dass die Bilanzen, die seit diesem Schuljahr auch den letzten Zyklus der Grundschule betreffen, vereinfacht werden müssen. Zuletzt hatten die Lehrer die Verhandlungen über eine Vereinfachung abgebrochen. Ministerin Mady Delvaux-Stehres signalisierte erneut Gesprächsbereitschaft.

Das Konzept der «Kompetenzen», die Schüler in bestimmten Zyklen erlangen sollen, ist nicht klar genug. Die Forscher der Universität legen dem Ministerium nahe, diese Kernkompetenzen klarer zu definieren.

Dass Direktoren durch Schulkomitees ersetzt worden sind, hat nicht das erwünschte Ergebnis gebracht. Laut Reform sollte die neue Schulorganisation den Schulen mehr Eigenständigkeit verleihen. In der Realität habe sie jedoch den Verwaltungsaufwand erhöht. Für die Forscher der Uni ist eine Organisation mit einem verantwortlichen Direktor einfacher, der die Aufgaben zentral bearbeitet. Die Ministerin will zwar an den Komitees mit ihren Präsidenten festhalten, ihnen die Verwaltungsarbeit jedoch erleichtern, versprach Delvaux-Stehres gegenüber der Presse.

Verbesserungsbedarf besteht ebenfalls bei der Koordination zwischen den Grundschullehrern, die dem Staat unterstehen, und den Betreuungseinrichtungen wie zum Beispiel die «Maison Relais», die von den Gemeinden geführt und ausgestattet werden.

All diese Punkte sollen laut Ministerin im kommenden Jahr erneut Gegenstand von Gesprächen und Arbeitsgruppen sein. Genaue Termine oder Herangehensweisen wurden jedoch nicht bekannt.

Das Frühjahr dürfte heiße Diskussionen über die Neuorganisation der Schulen bringen. Denn auch die Reform der Lyzeen steht dann erneut auf dem Plan. Bis April will Ministerin Mady Delvaux-Stehres ein überarbeitetes Gesetzesprojekt zu der umstrittenen Reform vorlegen. Die Beratungen waren im März 2012 um ein weiteres Jahr verlängert worden.

(sb mit sg/L'essentiel Online)

Eltern und Lehrer befragt

Für eine erste Bilanz der Grundschulreform haben Forscher der Uni Luxemburg Lehrer und Eltern sowohl mit Fragebögen, als auch in Einzelgesprächen befragt. 3500 Eltern waren befragt worden. 29,5 Prozent beantworteten die Fragen der Uni. Bei den Lehrern war die Rücklaufquote mit 16,6 Prozent niedriger. Angeschrieben worden waren 4.845 Grundschullehrer.

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