Vatikan: Forscher untersuchen Bittbriefe aus Nazi-Zeit an Vatikan
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VatikanForscher untersuchen Bittbriefe aus Nazi-Zeit an Vatikan

Ein deutsches Forscherteam hat in den Archiven des Vatikans Bittbriefe von Menschen aus der Zeit des Nationalsozialismus an die damaligen Päpste untersucht.

File source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Interiors_of_Vatican_Secret_Archives.png

Die Briefe wurden im Apostolischen Archiv im Vatikan entdeckt.

Wikicommons/Collective

Die Wochenzeitung «Die Zeit» berichtet in ihrer Donnerstagsausgabe über die Funde der Wissenschaftler um den Kirchenhistoriker Hubert Wolf. «Große Sorge gibt mir den Mut, Eure Heiligkeit um Hilfe anzuflehen, obwohl ich deutsche Jüdin bin», schrieb eine Frau am 13. Mai 1940 an Papst Pius XII., wie in einem der Auszüge zu lesen ist, die die Zeitung abdruckte. «Ich suche Hilfe für meinen Vater, der Jude ist und in Deutschland lebt. Ich bin verzweifelt», heißt es darin weiter.

Solche Briefe erreichten den Vatikan dem Bericht zufolge zwischen 1933 und 1945. Das Pontifikat von Pius XII. begann im Mai 1939 und endete mit seinem Tod am 9. Oktober 1958. Der Italiener – mit bürgerlichem Namen Eugenio Pacelli – stand in der Kritik für seinen zurückhaltenden Umgang mit Nazi-Deutschland. Ihm wurde zudem vorgeworfen, beim Thema Holocaust geschwiegen zu haben.

Der Vatikan half den Briefschreibern etwa mit Geld, einem Visum oder der Möglichkeit, mit dem Schiff auszureisen, wie aus dem «Zeit»-Bericht weiter hervorgeht. Unter ihnen waren Juden, aber auch Katholiken, die für andere Menschen um Hilfe baten. Bei vielen ist unklar, wie ihr Leben danach weiterging. Lange waren die Akten mit den Briefen im Apostolischen Archiv – früher Vatikanisches Geheimarchiv – nicht zugänglich und konnten erst ab 2020 mit der Öffnung der Archive zu Pius XII. eingesehen werden.

Hochschulprofessor Wolf ist Experte für die Aktenbestände. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört den Angaben der Universität Münster zufolge das Verhältnis der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus. Der 62-Jährige schätzt, dass die Zahl der noch zu findenden Bittbriefe bei ungefähr 15.000 liegt. Ziel seiner Arbeit ist auch, die Biografien der Briefschreiber zu erforschen.

(DPA)

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