Eingeschleppte Arten – Fremde Tiere und Pflanzen erobern Luxemburg

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Eingeschleppte ArtenFremde Tiere und Pflanzen erobern Luxemburg

LUXEMBURG – Luxemburgs Flora und Fauna verändern sich immer schneller. Einige dieser Eindringlinge sind schädlich für Umwelt, Wirtschaft – und sogar den Menschen.

Eines betont Christian Ries immer wieder: «Es gibt keine schlechten Tiere oder Pflanzen.» Allerdings, so erklärt der Ökologe vom Musée national d’histoire naturelle (MNHN) in Luxemburg, gebe es zahlreiche Arten, die außerhalb ihres eigentlichen Gebietes Fuß fassen und dort der Natur, der Wirtschaft und auch dem Menschen schaden können.

Taucht eine Lebensart außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets auf und schadet in ihrem neuen Umfeld dem Ökosystem, wird sie als invasive Art bezeichnet (siehe Infobox). Die Schuld daran trage in 99 Prozent der Fälle der Mensch. Ries sieht den weltweiten Handel als Hauptverursacher des Problems: «Die Schiffe sind beispielsweise ein großer Überträger dieser Arten.»

Über 10.000 gebietsfremde Organismen

Um stabil fahren zu können, nehmen Schiffe an einem Ort Ballastwasser auf, dass sie im nächsten Hafen wieder ablassen. «Darin werden abertausende Lebensformen mitverfrachtet», so Ries. Auch der Handel mit Topfpflanzen sei häufig heikel, da sich die Pflanze auch noch verbreiten könne, nachdem sie auf dem Komposthaufen gelandet ist. Manche Arten verbreiten sich auch aufgrund geänderter Klimabedingungen ohne direkte Hilfe des Menschen. «Das ist aber ein Prozess, der sich über Jahrhunderte zieht», sagt Ries.

Allerdings ist nicht längst jede eingeschleppte Moskito oder jede importierte Pflanze und damit jede Neobiota eine Bedrohung beziehungsweise invasive Art, wie Ries erklärt: «Vereinfacht dargestellt: Von 1000 gebietsfremden Neobiota schaffen es nur wenige hundert, sich zu etablieren, und nur ganz wenige werden invasiv.»

In Europa – und damit auch zum Teil in Luxemburg – kommen dem EU-Forschungsprojekt DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe) zufolge mehr als 10.000 gebietsfremde Arten vor. Obwohl nicht alle diese Arten invasiv sind, wird geschätzt, dass bis zu 15 Prozent davon eine potenzielle Gefahr für die europäische Artenvielfalt darstellen.

In unserer Diashow finden Sie einige hochinvasive Arten, die auch im Großherzogtum vorkommen. Dabei ist eine Pflanze, die Verbrennungen verursacht und ein Pilz, der die Esche ausrotten könnte

(Sebastian Weisbrodt/L'essentiel)

Neobiota und invasive Arten

Nichtheimische Pflanzen, Tiere, Pilze und Bakterien werden als Neobiota bezeichnet. Während die meisten von ihnen auf die heimische Flora und Fauna keine negativen Einflüsse haben, gibt es auch welche, die die von ihnen befallenen Lebensräume schadhaft beeinflussen – sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich. Dann werden sie als invasive Art bezeichnet.

9. Internationale Kongress über biologische Invasionen

In Vianden trafen sich vom 14. bis zum 17. September 278 Experten aus 38 Ländern um das Thema «biologische Invasionen» zu diskutieren.

«Es ist eine der wichtigsten Konferenzen über invasive Arten weltweit und sie umfasst alle Kontinente sowie alle Arten von Lebewesen, seien es Pilze, Pflanzen, Tiere, Bakterien oder Viren», sagt Ries, der diese Veranstaltung organisiert.

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