Jean-Claude Schmit – Für Lockerungen ist es in Luxemburg «noch zu früh»
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Jean-Claude SchmitFür Lockerungen ist es in Luxemburg «noch zu früh»

LUXEMBURG – Mehrere Länder wollen die Maßnahmen lockern oder auslaufen lassen. Auch im Großherzogtum werden Lockerungen diskutiert. Man wolle aber noch zehn Tage Zeit abwarten.

Für Lockerungen sei es in Luxemburg «noch ein bisschen zu früh», sagt Gesundheitsdirektor Jean-Claude Schmit.

Für Lockerungen sei es in Luxemburg «noch ein bisschen zu früh», sagt Gesundheitsdirektor Jean-Claude Schmit.

Editpress/Julien Garroy

Spanien, Dänemark und Großbritannien haben beschlossen, ihre Gesundheitsmaßnahmen zu lockern, obwohl die Zahl der Infektionen auf Rekord-Niveau liegt. Weil das Virus zwar schneller zirkuliert, die Krankheitsverläufe nach einer Omikron-Infektion aber wesentlich milder sind. Und in Luxemburg?

«Es ist noch ein bisschen zu früh», sagt der Gesundheitsdirektor Jean-Claude Schmit. Die Auswirkungen von Infektionsspitzen in den Krankenhäusern wären erst nach zwei bis drei Wochen spürbar. «In Dänemark haben sich die Krankenhauseinweisungen vorübergehend verdoppelt. In zehn Tagen werden wir ein noch klareres Bild von der Situation haben», sagt Schmit. Demnach wird die Zahl der Neuinfektionen weiter ansteigen, Modellrechnungen zufolge wird der Höhepunkt der Omikron-Welle in Luxemburg Ende Januar erreicht werden.

«Man entscheidet nicht aus einer Laune heraus über Verschärfungen oder Lockerungen»

Aus diesem Grund werden zwar «Gespräche darüber geführt, ob wir einige Maßnahmen lockern können», erklärt Schmit, «aber wir bleiben vorsichtig, denn es geht auch nicht darum zu öffnen, um wieder zu schließen. Wir brauchen eine gewisse Stabilität bei den Maßnahmen». Vom Gesetzgebungsprozess ganz zu schweigen. «Man entscheidet nicht aus einer Laune heraus über Verschärfungen oder Lockerungen», sagt er, «es gibt politische Entscheidungen. Es ist nicht zu erwarten, dass die Regeln so kurzfristig umgestoßen werden.»

Unter der Voraussetzung, «dass eine hohe Impf- und Boosterrate erreicht und sich die Situation im Krankenhaus nicht verschlechtern wird, kann man sicherlich über Erleichterungen sprechen», meint Schmit. So könnten wieder größere Menschenansammlungen erlaubt oder Quarantänemaßnahmen für Kontaktfälle gelockert werden. Obwohl Luxemburg bei den Quarantänemaßnahmen bereits «eines der Länder mit dem am wenigsten restriktiven System» sei, betont Jean-Claude Schmit.

«Wir haben so viele Überraschungen erlebt, dass wir nicht garantieren können»

Auch das Screening könnte in diesem Fall überdacht werden. «Wenn sich der Eindruck bestätigt, muss man sich auf die Menschen konzentrieren, die Symptome haben», stellt der Gesundheitsdirektor fest. Diese müssten einen potenziell schweren Krankheitsverlauf befürchten. Man könne sich Systeme vorstellen, in denen keine Quarantäne mehr verhängt wird, sondern regelmäßige Tests empfohlen werden. «In der Schule werden Ansteckungen sehr frühzeitig erkannt. Wenn wir sehr hohe Zahlen in den Schulen haben, liegt das auch daran, dass wir sie suchen und finden», erklärt er. Es sei jedoch schwierig, das Modell außerhalb der Schulen auszuweiten. Denn in der Schule sei das System leicht zu überwachen. In der allgemeinen Gesellschaft müsste man die Bereitschaft der Menschen, sich darauf einzulassen, berücksichtigen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Impfung. «Mit einer Quote von 80 Prozent bei den über 18-Jährigen sind wir nicht schlecht», sagt Schmit. Entspannter wäre die Situation allerdings mit 88 bis 89 Prozent. «Aber es gibt keine Wunderzahlen.» Für Jean,-Claude Schmit jedenfalls ist die Pandemie keineswegs vorbei. «Wie bei der Grippe wird es wahrscheinlich jeden Herbst oder Winter eine Welle geben. Und jedes Jahr werden wir uns impfen lassen müssen. Das ist im Moment die plausibelste Annahme», sagt er und fügt hinzu: «Was wir sehen können, ist, dass die Omikron-Welle vorübergehen wird. Dann sollten wir einen ziemlich ruhigen Frühling und Sommer haben.» Bis im Herbst eine neue Welle mit Omikron oder einer anderen Variante komme. Das sei für ihn die wahrscheinlichste Annahme. «Aber wir haben bis jetzt so viele Überraschungen erlebt, dass wir nicht garantieren können, was passieren wird.»

(Nicolas Martin/ L'essentiel)

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