Prügel vom Parlament – «Für mich sah Boris Johnson völlig fertig aus»

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Prügel vom Parlament«Für mich sah Boris Johnson völlig fertig aus»

An der wöchentlichen Befragung im Parlament wurde der britische Premier Boris Johnson hart angegangen. Der Politologe und Historiker Anthony Glees zu dem Auftritt.

Die Opposition forderte am Mittwoch im Parlament in London lautstark Boris Johnsons Rücktritt. Auch aus den eigenen Reihen kamen erste Rufe nach einem Amtsverzicht.

Vorausgegangen waren Berichte über eine Gartenparty in Johnsons Amtssitz am 20. Mai 2020 während des ersten Lockdowns. Der Sender ITV zitierte eine Einladung von Johnsons Büroleiter an etwa 100 Mitarbeiter: «Bringt euren eigenen Alkohol mit.»

Johnson räumte bei der Befragung erstmals ein, an der Veranstaltung teilgenommen zu haben. «Als ich am 20. Mai 2020 kurz nach 18 Uhr in diesen Garten ging, um mich bei Gruppen von Mitarbeitern zu bedanken, bevor ich 25 Minuten später wieder in mein Büro ging, um weiterzuarbeiten, glaubte ich ausdrücklich, dass dies ein Arbeitstreffen war», sagte Johnson.

Rückblickend hätte er aber anders handeln müssen, räumte Johnson bei der Befragung ein. Die Opposition reagierte mit hämischem Gelächter – wie oft in der 30 Minuten dauernden Befragung zu dem Thema.

In den sozialen Medien häufte sich schnell der Spott darüber, dass Johnson eine Party selbst dann nicht von einem Arbeitstreffen unterscheiden könne, wenn er selbst dabei sei. Die Airline Ryanair legte dem Premier die Worte «Ich weiß nicht, dass ich auf einer Party bin» in den Mund und twitterte dazu eine Zeichnung von Johnson mit Partyhut zwischen tanzenden Gästen.

Der Satire-Account des in der Downing Street lebenden Katers Larry teilte auf Twitter ein altes Foto von halbnackten, feiernden englischen Fußballstars mit dem zynischen Kommentar «England-Kader genießt ein Arbeitstreffen».

Ein Rücktritt Johnsons scheint nun fürs Erste vom Tisch; eine Wahl steht planmäßig erst 2024 an.

Bleibt die konservative Partei. Um Johnson abzuwählen, müssen ihm 15 Prozent der 360 konservativen Abgeordneten in Briefen ihr Misstrauen ausdrücken. Das sind 54 Parlamentarier. Mittlerweile ist nicht auszuschließen, dass die notwendige Schwelle erreicht wird.

(L'essentiel/Ann Guenter)

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